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Blaubeeren im Porridge

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09/10/2019
 

Die Fußballer des FC Liverpool bekommen von einer Deutschen ihr Fett weg. Mona Nemmer gilt als eine der wichtigsten Verpflichtungen von Trainer Jürgen Klopp: Seit 2016 ist sie Ernährungs-Chefin an der Anfield Road – und mitverantwortlich für den größten Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte, den Champions-League-Titel 2019.


Es läuft die erste Spielminute des Champions-League-Finales im Juni 2019 zwischen den beiden englischen Vereinen FC Liverpool und Tottenham Hotspur. Ein langer Ball fliegt über die Köpfe der Spieler hinweg. Sadio Mané, Flügelspieler des FC Liverpool, schaltet am schnellsten, zieht einen kräftigen Sprint an und erreicht den Ball noch vor den gegnerischen Abwehrspielern. Mané täuscht mit einer flinken Fußbewegung eine Flanke an, dann chipt er den Ball hoch – an die Hand des gegnerischen Spielers. Der weiß gar nicht wie ihm geschieht. Der Schiedsrichter pfeift Elfmeter: 1:0 Liverpool.

Der größte Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte des FC Liverpool, der Triumpf im Finale der Champions League im Juni 2019, ist Verdienst von Trainer Jürgen Klopp – und seiner Ernährungsspezialistin. Foto: Eric The Fish

 

Beim Fußball entscheiden häufig Kleinigkeiten darüber, wer als Sieger und wer als Verlierer vom Platz geht. Manchmal ist es Glück, ob der Ball etwa vom Pfosten ins Aus oder ins Tor prallt. Oder eben filigranste Vorbereitungsarbeit, so dass ein Spieler eben die gewisse Nuance fitter und schneller am Ball ist als sein Gegner. Die „Reds“ des FC Liverpool gelten unter dem deutschen Headcoach Jürgen Klopp als besonders akribische und mustergültige Arbeiter – auch abseits des Platzes. Beim aktuellen Titelträger der Champions League beginnt die Vorbereitung auf das Spiel deshalb nicht auf dem Trainingsplatz oder mit dem Videostudium des Gegners, sondern schon morgens auf dem Frühstücksteller. Dafür haben die Reds eine echte Spezialistin im Team: Mona Nemmer.

 

„Eine gesunde Ernährung trägt nicht nur zur Leistung bei, sondern auch zum Wohlbefinden. Prozentzahlen zu nennen ist schwierig, aber jeder Sportler kann durch eine bewusste Ernährung bessere Resultate erzielen“, sagt Mona Nemmer. Sie ist Ernährungs-Chefin beim FC Liverpool. Vier Mahlzeiten am Tag werden den Fußballprofis des FC Liverpool auf dem Trainingsgelände zubereitet. Nemmer hat genau im Auge, was den Spielern serviert wird. „Das richtige Essen im richtigen Moment kann einen kleinen Unterschied machen und hat eine wahnsinnig große Wirkung", sagt auch Jürgen Klopp, Liverpools Trainer. Er lobt Nemmer in den höchsten Tönen: „Wir sind in vielen Bereichen gut aufgestellt. Aber unser einziger Weltklasse-Spieler ist Mona“, so Klopp in einer Dokumentation des ZDF, des öffentlichen Fernsehens in Deutschland. Die internationale Sportpresse nahm diesen Ball auf und adelte Mona Nemmer als „Klopps Königstranfer“ – sie kam vom FC Bayern München nach England. Nemmer arbeitet inzwischen seit drei Jahren bei Liverpool als „Head of Nutrition“, zu deutsch: als Ernährungs-Chefin.

Mona Nemmer gehört zu den versiertesten Ernährungsexperten der Welt. Sie berät die Spieler des FC Liverpool – und zudem auch den Nachwuchs im Deutschen Fußballbund. Hier wurde jüngst die Initiative „Torhunger. Richtig ernähren. Besser kicken“ vom DFB und seinem Partner, der Supermarktkette Rewe, ins Leben gerufen. Foto: Youtube/Rewe

 

Der FC Liverpool ist im europäischen Fußball derzeit das Maß der Dinge. Im Juni des vergangenen Jahres hat Jürgen Klopp mit seiner Mannschaft die Champions League gewonnen. Unlängst wurde er als "Welttrainer 2019" ausgezeichnet. Dennoch schwärmt Klopp von niemandem so sehr wie von seiner Ernährungsberaterin. „Sie hat ein ganz neues Berufsfeld geschaffen, das es so vorher gar nicht gab“, sagt Klopp. Das zeigt sich auch in der Heimstätte des FC Liverpool. Im Stadion an der Anfield Road durfte Nemmer sogar einen eigenen Essensraum einrichten. Zitate von aktuellen und ehemaligen Spielern, Gruppenfotos und Motivationsbotschaften zieren seitdem die Wände unterhalb der Haupttribüne des Fußballtempels. Pressevertreter und VIPs haben dort keinen Zutritt. In diesem Raum essen die Profis nach jedem Heimspiel. Zur Auswahl stehen Dinge wie gerösteter Blumenkohl, Hähnchen, Lamm, gegarter Brokkoli oder gestampfte Süßkartoffeln mit Kürbis. „Unser Fokus ist dort immer auf das nächste Spiel ausgelegt. Das heißt, dass wir die maximale Regeneration so schnell und so zügig wie möglich herstellen wollen“, so Nemmer im ZDF. Erholung durch Essen? „Wir versuchen Akzente in der Ernährung zu setzen, um zum Beispiel das Immunsystem zu unterstützen oder die Regeneration zu fördern“, bestätigt Nemmer. Die richtige Ernährung sei eine Art legales Doping.


Für die neuesten Erkenntnisse im Ernährungsbereich arbeitet der FC Liverpool mit verschiedenen englischen Universitäten zusammen. Aktuell seien insbesondere Antioxidantien Gegenstand der Forschung, sagt Nemmer. Diese Stoffe bieten Schutz gegen sogenannte freie Radikale, die sich im Körper während des Stoffwechsels bilden und das Krankheitsrisiko erhöhen können. Enthalten sind Antioxidantien zum Beispiel in Blaubeeren oder Sauerkirschen. „Wir versuchen die Forschungen hier in die Praxis umzusetzen“, sagt Nemmer. Sie mischt Blaubeeren beispielsweise ins warme Porridge-Frühstück der Spieler oder serviert Fruchtsäfte. Das tut sie aber nicht klammheimlich. Alle Nährstoffe einer Speise sind auf kleinen Schildern vermerkt. So sollen die Profis ein Gespür dafür bekommen, sich gesund zu ernähren. Niemand wird gezwungen etwas zu essen – oder eben nicht zu essen. Viel bieten, statt viel verbieten lautet stattdessen die Maxime der 35-jährigen. „Ich glaube, dass wir den Kontrollfaktor ausgrenzen können, indem wir das Angebot groß und vor allem großzügig gestalten“, sagt Nemmer. Je mehr Gesundes zur Auswahl steht, desto weniger vermissen die Profis ungesundes Fast Food. Gemeinsam mit Liverpools Küchendirektor Chris Marshall hat Nemmer sogar die Rezeptur für ein eigenes FC-Liverpool-Sauerteigbrot erstellt. Beim Frühstück kann es gekostet werden.

Das Stadion des FC Liverpool an der Anfield Road, mit Blick auf die neue Haupttribüne. Details wie die legendäre Vereinshymne „You’ll Never Walk Alone“ sowie die perfekte Ernährung verhelfen den „Reds“ zu Erfolgen. Foto: Ruaraidh Gillies


Jürgen Klopp ist seit Oktober 2015 Trainer des FC Liverpool. Der Champions-League-Titel 2019 ist der bisher größte Erfolg in seiner Trainerlaufbahn. Foto: Robinson

 

Bei den Spielern kommt das an. Etwa bei Mittelfeldmann Xherdan Shaqiri, der Nemmer schon deutlich länger kennt als seine Liverpool-Mitspieler. Nemmer war vor ihrer Tätigkeit auf der Insel, genau wie Shaquiri, beim FC Bayern München aktiv. Sie war dort von 2013 bis 2016 im Team von Sternekoch Alfons Schuhbeck tätig. Schuhbeck ist seit vielen Jahren bei den Bayern für die Ernährung zuständig. Pep Guardiola und der damalige Sportdirektor der Bayern, Matthias Sammer, holten Nemmer hinzu. Zuvor hatte sie Ausbildungen als Ernährungsberaterin, als Fachlehrerin für Ernährung und als Köchin absolviert. 2016 wurde sie dann vom FC Liverpool verpflichtet – auf Wunsch von Jürgen Klopp. Der hatte, ähnlich wie bei wichtigen Spielertransfers, zuvor bei der Ernährungsberaterin angerufen, um sie von einem Wechsel zu überzeugen. Nemmer wagte den Schritt aus der zweiten Reihe nach vorn. Bei Liverpool ist sie nun die Chefin, leitet ein 26-köpfiges Köche-Team. „Ich glaube, die Bayern haben Monas Wichtigkeit nicht hundertprozentig erkannt", sagt Klopp.

 

Die Daten sprechen für Nemmer. Seit sie bei Klopps Truppe das Sagen hat, standen die Reds zweimal im Finale der Champions-League. Das hängt natürlich nicht nur mit den Blaubeeren im Porridge zusammen, aber eben auch. Die Bayern erreichten das Endspiel der Königsklasse letztmals 2013. Damals noch im Stab des FC Bayern: Mona Nemmer. Mittlerweile ist Nemmer auch beim DFB angekommen. Seit diesem Herbst ist sie Ernährungsexpertin der Initiative „Torhunger. Richtig ernähren. Besser kicken“, die vom Deutschen Fußballbund und seinem Partner, der Supermarktkette Rewe, ins Leben gerufen wurde – um vor allem auch Nachwuchsspielern die Bedeutung einer gesunden Ernährung nahezubringen. Fußball-Fan ist sie übrigens nicht. Zum Glück, möchte man meinen. Denn obwohl sie bei allen Spielen im Stadion ist, sieht sie fast nichts von der Partie. In der ersten Halbzeit muss sie nach maximal einer Viertelstunde bereits ihren Platz auf der Tribüne verlassen und sich in die Katakomben der Arena begeben. Kleine Speisen für die Halbzeitpause müssen vorbereitet werden, die den richtigen Energieschub für die restliche Spielzeit liefern. Die zweite Halbzeit verbringt Nemmer dann sogar komplett hinter den Kulissen. Dann muss der After-Match-Imbiss vorbereitet werden. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel – diese alte Fußballwahrheit wird bei Liverpool ergänzt um ein weiteres Bonmont „Du bist, was du isst“.