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Extreme E: Åhlin-Kottulinsky will inspirieren – und die Meisterschaft

 

Die schwedische Rennfahrerin Mikaela Åhlin-Kottulinsky fährt bereits ihre zweite Saison bei Extreme E und hat dieses Mal den Titel fest im Blick. Das neue Mitglied von Rosberg X Racing erzählt von den Besonderheiten der extremen Rennstrecken, Nachhaltigkeits-Programmen vor Ort und ihrem großen Ziel.  

„Wir konnten springen, wir konnten fliegen“

Mikaela Åhlin-Kottulinsky steckt der Rennsport im Blut. Ob Mutter Susanne Kottulinsky, Vater Jerry Åhlin, Bruder Fredrik Åhlin oder Großvater Freddy Kottulinsky, der die Rallye Paris-Dakar gewann: Sie alle sammelten Erfahrungen und Erfolge hinter dem Steuer. Bei Extreme E knüpft die 29-jährige Rallyefahrerin direkt daran an.

„Als ich in der ersten Season 2021 auf die erste Strecke in Saudi-Arabien kam, dachte ich: Auf was habe ich mich da eingelassen?“, erinnert sich Mikaela Åhlin-Kottulinsky noch lebhaft: „Ich dachte: Das ist verrückt. So etwas hatte ich noch nie gemacht. Ich meine, es ging steil bergauf, bergab, einfach alles. Und ich wusste noch nicht, was das Auto kann.“

Dieses Rennen ist nun über ein Jahr her und mittlerweile weiß die 29-Jährige genau, was „Extreme E“ bedeutet: „Am Ende hat es sehr gut geklappt. Wir konnten springen, wir konnten fliegen, wir konnten seitwärts fahren. Wir konnten alles tun, um diese wirklich extremen Umgebungen in Angriff zu nehmen und großartige Rennen daraus zu machen.“

Genau hier will Åhlin-Kottulinsky nahtlos ansetzen: Nachdem sie in der vergangenen Season noch für Jenson Buttons Team „JBXE“ an den Start ging, sitzt sie nun als Fahrerin bei „Rosberg X Racing“ hinter dem Steuer.

„Ich bin sehr dankbar, dass ich die Chance bei JBXE bekommen habe, denn ich habe eine Menge gelernt“, erklärt Åhlin-Kottulinsky: „Als sie mich ins Auto setzten, hatte ich noch nicht viel Erfahrung im Offroad-Bereich, sie wussten nicht, wozu ich fähig war.“

Doch sie nutzte die Chance und machte mit ihren Leistungen das Team von Nico Rosberg auf sich aufmerksam – den amtierenden Extreme-E-Champion. Das Ziel nach dem Wechsel ist klar: Mit „Rosberg X Racing“ soll der Titel her.

„Man muss extrem aufmerksam sein“

Bei RXR bildet Åhlin-Kottulinsky gemeinsam mit Johan Kristofferson ein Duo, das direkt beim ersten Rennen der zweiten Season – erneut in Saudi-Arabien – überzeugen konnte und sich an die Spitze des aktuellen Rankings setzte.

Ein Ergebnis guter Zusammenarbeit: „Teamwork ist sehr wichtig. Viele Leute denken, Motorsport sei ein Ein-Frau- oder Ein-Mann-Sport, aber das ist er nicht“, erklärt Åhlin-Kottulinsky. Viel mehr sei es eine Teamleistung: „Von den Leuten, die analysieren, über die Mechaniker und Ingenieure bis hin zu Johan und mir. Wir versuchen alle, uns gegenseitig zu fördern.“

Und das ist auch dringend nötig, denn Extreme E wirft dem gesamten Feld heftige Hürden entgegen. Die Strecken sind nicht gerade einfach zu bewältigen – was auch in der Wüste von Saudi-Arabien zum Start der zweiten Season zu sehen war: „Es ist wirklich hart“, meint Åhlin-Kottulinsky: „Alles ist so unbekannt und die Strecke ändert sich von Session zu Session sehr. Man muss also extrem aufmerksam sein, um all die Dinge anzugehen, die auf der Strecke auftauchen.“

Auch der Odissey 21, der elektrische Rallye-Wagen von Extreme E, ist harten Bedingungen ausgesetzt. Tatsächlich hatte Åhlin-Kottulinsky sogar einen Anteil an der Konstruktion des Geräts: Bevor es mit Extreme E losging, arbeitete sie als Test- und Entwicklungsfahrerin für Continental.

Dort war sie an der Entwicklung der Reifen beteiligt – was allerdings ein Ende fand, als klar wurde, dass sie als Fahrerin an den Start gehen würde. Schließlich sollen alle Teams gleiche Bedingungen haben.

Dennoch wirft Åhlin-Kottulinsky weiterhin einen besonderen Blick auf die technischen Aspekte der Rennserie: „Die Reifen dieses Jahr sind wirklich interessant, weil sie recycelte Plastikflaschen enthalten. Die Leistung ist trotzdem immer noch großartig, und wir hatten in Saudi-Arabien, wo wir über schwierige Felsen fuhren, keine Probleme. Das zeigt wirklich, dass man Nachhaltigkeit mit Leistung kombinieren kann.“

 

„Ich sehe mich als Botschafterin“

Nachhaltigkeit ist ein Aspekt, auf den bei Extreme E viel wert gelegt wird. Die „globale Odyssee“ will mit ihren Veranstaltungen nicht nur spektakuläre Rennen zeigen, sondern gleichzeitig auf Probleme hinweisen und mit sogenannten „Legacy-Programmen“ vor Ort Lösungen anbieten. Dazu gehören etwa Baumpflanzungen, Strandsäuberungen oder auch Informationsveranstaltungen durch das Wissenschaftsteam, das Extreme E begleitet.

Für Åhlin-Kottulinsky ist dieses Element der Rennserie besonders wichtig. Sie nimmt zum einen an den Programmen von Extreme E, aber auch an RXRs eigener Initiative „Driven by Purpose“ teil, um sich vor Ort ein Bild zu machen: „Wir fahren zu den Standorten und lernen die Menschen kennen. Und bei den Legacy-Programmen arbeiten wir oft mit einer NGO zusammen.“

Besonders ein Vortrag des Wissenschaftsteams in Grönland sei ihr in Erinnerung geblieben, erklärt Åhlin-Kottulinsky. Dabei ging es um die Gletscher und wie schnell diese tatsächlich schmelzen: „Ich wusste, dass es ein Problem gibt, aber wenn man die Grafiken sieht, raubt es einem den Atem – und das müssen wir bekannt machen.“

Die Auswirkungen sehe man jetzt schon: „In Schweden hatten wir früher jeden Winter Schnee, das stand außer Frage. Jetzt haben wir das nicht mehr. Wir können das auch von zu Hause aus sehen – aber es ist besonders offensichtlich an den Orten, an die wir reisen.“ Diese Erfahrungen will Extreme E gemeinsam mit seinen Fahrerinnen und Fahrern nach außen tragen.

Als nächstes wird Extreme E nach Sardinien zurückkehren, wo der „Island X-Prix“ in Season 1 stattfand. Dort pflanzte das Team im Rahmen des Legacy-Programms im vergangenen Jahr nach Waldbränden zahlreiche Bäume. „Es wird interessant sein, dorthin zurückzukehren und zu sehen, wie es jetzt aussieht“, so Åhlin-Kottulinsky. Außerdem stehen mit Chile und Uruguay ein paar neue Ziele auf dem Plan: „Kulturen und Länder, in denen ich noch nie war.“

In Saudi-Arabien hingegen war Åhlin-Kottulinsky nun schon zum zweiten Mal mit Extreme E: „Ich mag es wirklich, dort als Frau ein Rennen zu fahren. Wenn ich dorthin fahre und zeige, dass Frauen genauso gut fahren können wie Männer, dann habe ich das Gefühl, dass ich auch einen größeren Nutzen bringe“, so die Rennfahrerin. In Saudi-Arabien war es Frauen bis 2018 noch verboten, Auto zu fahren.

Auch im Rest der Welt will Åhlin-Kottulinsky einen positiven Eindruck hinterlassen: „Ich sehe mich als Botschafterin, denn im Motorsport war ich schon oft die ‚einzige‘ Frau. Ich möchte eine Vorreiterin für junge Mädchen sein und versuchen, sie zu inspirieren, ihre Träume zu verfolgen. Ich möchte zeigen, dass der Motorsport, aber auch jede andere Arbeit auf der Welt, für Menschen gedacht ist – egal ob Männer oder Frauen.“

Das passt auch zu ihren großen Zielen. In Bezug auf Extreme E ist das sowieso klar: „Das Ziel in diesem Jahr ist es, die Meisterschaft zu gewinnen – wieder für Rosberg, aber das erste Mal für mich.“

Und was die Zeit außerhalb von Extreme E betrifft? „Mein Wunsch ist es, dass ich, wenn ich älter bin, zurückblicken und sagen kann: ‚Ich habe etwas verändert, ich habe etwas zum Besseren in dieser Welt beigetragen‘. Das ist mein sehr großes Ziel“, so Åhlin-Kottulinsky. Die Erfahrungen mit Extreme E hätten ihr gezeigt, dass man etwas ändern müsse: „Wir alle wollen so leben wie wir es tun. Aber wir müssen es auf eine nachhaltigere Weise tun.“