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Captain Nick Sunderland steuert das Extreme-E-Flaggschiff: „Die St. Helena ist etwas Besonderes“

 

Die „St. Helena“ ist das wortwörtliche Flaggschiff der Extreme-E-Rennserie. Auch in Season 2 fungiert das von Grund auf erneuerte Schiff als mobiler Lagerraum, Unterbringung und Zentrum für die Rennwochenenden. Captain Nick Sunderland gibt einen kleinen Einblick, wie das alles gestemmt wird. 

 

Nick Sunderland hat schon viel von der Welt gesehen. Geboren im eher landwirtschaftlich geprägten Lincolnshire, 100 Meilen nördlich von London, zog es den späteren Kapitän der St. Helena schon früh raus auf die See: „Ich habe schon immer gern gesegelt und war oft auf dem Wasser, also war es etwas, das sich in meinem Leben ganz natürlich ergeben hat“, erinnert sich Sunderland heute noch: „Als ich noch sehr jung war, habe ich mit dem Segeln auf Yachten angefangen. Ich beendete gerade mein Studium und beschloss, das Kadettenprogramm der Marine zu absolvieren.“

Mit 29 Jahren stieg Sunderland zum Staff-Kapitän auf, mit 31 wurde er Kapitän. In den folgenden Jahren bereiste er den gesamten Erdball: „Ich bin seit über 20 Jahren unterwegs und habe daher die meisten Orte mindestens einmal gesehen“, erinnert er sich.

Vor etwas mehr als zwei Jahren suchte der Kreuzfahrtkapitän aber eine neue Herausforderung – und fand sie bei Extreme E: „Als ich von der St. Helena hörte, und was sie mit der Extreme-E-Rennserie vorhaben, war ich begeistert. Denn meine Leidenschaft galt schon immer dem Motorsport und Rennautos. Für mich war das die nächste Herausforderung in meinem Leben.“

Nick Sunderland

„Ich habe noch nie etwas Vergleichbares gesehen“

Im Oktober 2020 startete Sunderland in diesen neuen Abschnitt, während die St. Helena zu dem Schiff wurde, das sie heute ist. Die St. Helena transportiert für Extreme E sämtliche Materialien, Autos, wissenschaftliche Ausrüstung und mehr zu den Rennen. Außerdem fungiert sie vor Ort als Unterbringung für die Beteiligten.

Doch bis das möglich war, musste erstmal geschraubt werden: Der Kreuzer wurde nach vielen, vielen Reisen auf See komplett überarbeitet. Schließlich liegt die Jungfernfahrt des Schiffs im Jahre 1989 mittlerweile einige Jahre zurück.

„Da gab es einige rostige Stellen zu ersetzen. Es wurde eine Menge neuer Stahl verbaut, sie wurde im Wesentlichen so gut wie neu gemacht“, erklärt Sunderland. Die Umbauten waren allerdings nicht nur kosmetischer Natur.

Extreme E hat sich das Thema der Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben und wollte dies auch mit der St. Helena umsetzen: Alles wurde überholt. Auch der Motor, um ihn so nachhaltig wie möglich zu machen. Die St. Helena fährt nun mit "low sulphur marine diesel” – einem Treibstoff, den Sunderland als „Champagne“ bezeichnet.

Im Vorfeld der Rennen plant Sunderland mit seiner Mannschaft die Routen genau, um so wenig Treibstoff wie möglich zu verbrauchen und die Touren effizient zu gestalten: „Wir nehmen die kürzesten, aber auch sichersten Routen“, so Sunderland: „Nachhaltigkeit bedeutet für mich außerdem, das Gebiet besser zu verlassen, als wir es vorgefunden haben.“ Da spielen auch die wissenschaftliche Arbeit sowie Legacy-Programme seitens Extreme E eine Rolle. 

Nick Sunderland

Eine enorme Teamleistung für ein kleines Team

Um die St. Helena auf diese Herausforderungen vorzubereiten, wurden jede Menge Anpassungen vorgenommen. Dabei kam ein Schiff heraus, dass alle Anforderungen, die Extreme E an es stellt, auf einen Schlag erfüllen soll: „Die St. Helena ist etwas Besonderes. Ich habe noch nie etwas Vergleichbares gesehen“, so Sunderland.

Der Kapitän bezeichnet die St. Helena als eine „Drei-Schiff-Plattform“ – ein Vehikel, das drei unterschiedliche Schiffe in einem bündelt: „Wenn sie Fracht an Bord hat, Autos, Container und so weiter, ist sie ein Frachtschiff. Aber sie ist auch ein zertifiziertes Passagierschiff erster Klasse“, so Sunderland: „Sobald die Ladung gelöscht wird, sind wir ein Kreuzfahrtschiff. Mit bis zu 200 Gästen und Events.” Mit weniger Leuten wiederum hätte die St. Helena eher ein „Superyacht-Gefühl”, erklärt der Captain.

Für die Crew bedeutet das zwar viel Abwechslung, erfordert aber auch Flexibilität. Die St. Helena kommt in der Regel eine Woche vor dem Rennen am Zielort an. Dort muss dann schnellstens abgeladen werden, was angesichts der speziellen Ladung nicht ganz einfach ist. Dabei handelt es sich unter anderem um den Rennwagen Odyssee 21, aber auch um alles andere, was das Rennen vor Ort braucht.

Nach dem Abladen muss die „Hotel-Crew“ umgehend loslegen: Die verwandelt das Frachtschiff in eine entspannte Rückzugsmöglichkeit für alle Beteiligten. „Das ist ein sehr schneller Wechsel für die Hotelabteilung. Alle Passagierkabinen werden hergerichtet, die Wäsche wird ordentlich gewaschen, die Handtücher – alles wird gereinigt“, so Sunderland: „Die Ingenieure kümmern sich um die Klimaanlagen und die Wassersysteme. Das ist eine große Herausforderung, wenn man nachhaltig sein will – und das haben wir uns vorgenommen.“

Das Ganze erfordert eine „enorme Teamleistung“, so Sunderland, obwohl man kein enormes Team hat: „Wir haben keine 1.000-Mann-Crew, im Moment sind wir eher 38. In der Spitze könnten wir bis zu 49 haben. 44, 45 ist die Norm, mit der wir es machen. Manchmal sind es mehr, manchmal sind es weniger.“

Diese Menschen sind es, die vor Ort dafür sorgen, dass alles seinen geregelten Gang geht. Von den spannenden Reisezielen kriegt man dabei nur bedingt etwas mit. Der Landgang wird genutzt, um einzukaufen oder sich einen Haarschnitt zu besorgen. „Es ist eine sehr, sehr arbeitsreiche Zeit“, erklärt Kapitän Sunderland: „Das Rennen findet statt, wir veranstalten Events, kümmern uns um das Essen. Die Veranstaltungen enden nicht früh, also ist es eine sehr geschäftige Zeit für alle. Aber wir lieben es, das ist unser Job, das ist unsere Aufgabe.“

Echte Pausen gibt es nur bedingt, wenn überhaupt, dann zwischen den Rennen. Doch auch da wird gewerkelt: „Wenn wir Stillstand haben, ist das eine gute Zeit, um das Schiff zu warten und es in Form zu halten“, erklärt Sunderland: „Wir machen viele Trainings und halten die Standards ein. So sind wir an den Renn-Wochenenden immer einen Schritt voraus. Es ist ein Vollzeitjob und es gibt nie einen langweiligen Tag auf der St. Helena.“

Und auch bei Extreme E selbst wird es nicht langweilig. Denn das nächste Rennen kommt immer näher: Anfang Juli findet der Doppel-Renntag auf Sardinien statt. Einen Blick auf das aktuelle Renngeschehen findet Ihr hier

St-Helena-in-Falmouth_Credit-Tom-Hunwicke