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Extreme E: Ein Blick hinter die Kulissen des Island X-Prix

 

Aufwirbelnder Sand, riskante Drifts über Geröll und Gestrüpp und wild spritzendes Wasser bei engen Überholmanövern durch tiefe Matschpfützen: Wer den Extreme E Double-Header auf Sardinien verfolgt hat, bekam jede Menge Action zu sehen. Doch wie sieht das eigentlich abseits der Rennstrecke aus? Ein Einblick.

 

Ganz ehrlich: Wenn man nicht gerade ein professioneller Rennfahrer ist, kann einen schon der Weg zum Rennen ein bisschen ins Schwitzen bringen. Der doppelte „Island X-Prix“ fand in diesem Jahr auf einem sardischen Militärgelände nahe des Örtchens Sant‘Anna statt. Hat man erstmal den Zugang passiert, findet man sich auf einer huckeligen Sandpiste wieder, die man besser langsam runterfährt. Da lässt sich nur erahnen, was die Fahrerinnen und Fahrer der Teams eigentlich auf der tatsächlichen Strecke leisten – und zwar bei Höchstgeschwindigkeiten.

Nach einigen Minuten Abfahrt findet man sich auf einer trockenen, sandigen Ebene wieder. Sardinien hat im Juli im Durchschnitt ganze 0 Regentage – und das merkt man auch. Die Sonne strahlt von frühmorgens bis spätabends durch. Nur vereinzelt spenden ein paar Wölkchen Schatten. Während des Wochenendes rund um den „Island X-Prix II“ lag die Höchsttemperatur bei 35 Grad Celsius. Die Kollegen, die schon eine Woche länger hier sind, hatten es zeitweise sogar mit 40 Grad zu tun.

Diese Trockenheit in Verbindung mit der Hitze ist eines der Probleme, auf die Extreme E während der Rennwoche aufmerksam machen möchte. Immer wieder kommt es auf Sardinien zu Waldbränden. Sogar während unserer wenigen Fahrten über die Insel sahen wir zwei Mal Rauchschwaden, die offenbar von Bränden stammten.

Ein weiteres Problem der Insel ist die Vernichtung von Seegras, das benötigt wird, um Kohlenstoff im Meer zu binden. Um dieses Thema dreht sich auch der „Legacy Day“: Im vergangenen Jahr hatte Extreme E neues Seegras an der sardischen Küste angepflanzt. Nun, am Freitag zwischen den beiden Renntagen, fuhren mehrere Fahrer und das Wissenschafts-Team von Extreme E zur Pflanzungsstätte, um sich ein Bild von den Fortschritten zu machen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass im Extreme-E-Camp an der Strecke nichts los wäre. Im Gegenteil: Schon früh am Morgen geht es hier geschäftig zu. Das Team von Continental beispielsweise führt schon um 07:00 Uhr erste Testläufe mit dem Odyssey 21 durch. Hier wird bereits an neuen Ideen und Weiterentwicklungen der CrossContact-Reifen für die kommende Season 3 gearbeitet. Zudem hat das Team an nur einem Tag ganze neun Reifensätze zu bearbeiten, bei denen jede einzelne Schraube mit Mutter festgezogen werden muss. Dadurch benötigt jeder Reifensatz etwa eine Stunde Zeit. Es sollte also ein langer Tag werden.

Auch bei den Renn-Teams wird bereits in der Früh geschraubt, gehämmert und gewerkelt. Gerade das Zelt von Acciona | Sainz XE ist zwischen den Rennen überaus beschäftigt: Ein heftiger Crash beim Island X-Prix I hatte den Wagen von Carlos Sainz und Laia Sanz schwer in Mitleidenschaft gezogen. Einzelteile lagen um das Zelt verstreut, das Team fuhr sogar Nachtschichten, um den Wagen rechtzeitig zum zweiten Rennen wieder in Schuss zu bekommen. Kleiner Spoiler: Es sollte funktionieren, Sainz und Sanz können am Wochenende wieder mitfahren und erreichen sogar das Finale am Sonntag.

 

Ein kleiner Überblick

Um ein wenig Kontext zu liefern: Das Camp von Extreme E besteht aus zahlreichen Zelten, die alles liefern, was das Rennen benötigt. So hat jedes Team, von RXR bis JBXE, ein eigenes Zelt mit direktem Zugang zur Strecke. In diesen Mini-Basen bringen Mechaniker die Autos in Schuss und das Rennen wird geplant, hier halten sich alle Mitglieder des Teams auf – inklusive der Fahrer. Außerdem wird der elektrische Odyssey 21 hier mithilfe kleiner Stationen für die Rennen aufgeladen.

Direkt am Anfang des Paddocks steht das Reifen-Zelt von Continental. Hier werden die Räder für alle Teams vorbereitet, Daten ausgelesen und Probleme behoben. Daneben stehen ein Zelt für den Suspension-Partner FOX und eines von Spark Racing Technology. Alle drei stehen den Renn-Teams mit Rat und Tat zur Seite.

Ergänzt wird das ganze durch verschiedene Zelte. Wie beispielsweise das „Medical Tent“, das rund um die Uhr medizinische Hilfe leistet, ein „Media Center“ mit Bildschirmen für die Rennübertragung und ein Catering-Zelt. Letzteres ist quasi der soziale Brennpunkt des Camps: Hier stehen zahlreiche Holzbänke und -tische, an denen drei Mal am Tag gemeinsam gegessen wird.

Zudem gibt es hier einen kleinen Stand, an dem ein Team aus der Nähe von Cagliari frischen Kaffee serviert. Aber: Nur wer einen eigenen Becher mitgebracht hat, bekommt auch was. Grundsätzlich hat jeder im Camp eine eigene Flasche, Tasse, Teller, Schüssel und Besteck von zu Hause dabei, die für jede Mahlzeit wiederverwendet werden.

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Nach dem Essen wird an einer Spülstation direkt um die Ecke des Catering-Zelts abgewaschen. Hier kann es allerdings passieren, dass man nicht nur Essensreste, sondern auch Sand loswerden muss – denn der ist einfach überall. Taschen, Laptops, Kleidung – so ziemlich alles im Camp ist dem immer wieder aufwirbelnden Sand ausgesetzt. Der ist übrigens auch die größte Herausforderung bei den Rennen auf Sardinien, wie ein Techniker vom Team ABT CUPRA XE bestätigte.

Extreme E steht für extreme Rennen, bei denen die Fahrer-Teams mit schwierigen Umgebungen zurechtkommen müssen. Auf Sardinien ist das nicht nur die enge, felsige Rennstrecke oder der Schlamm in den Pfützen, sondern auch der Sand, der überall auf der Strecke liegt. Wer hier vorne liegt, ist stark im Vorteil, denn der aufgewirbelte Sand macht es allen im Verfolgerfeld nahezu unmöglich die Übersicht zu behalten.

Das kann man natürlich auch zu seinem Vorteil nutzen. Ein fantastisches Beispiel liefert Nasser Al-Attiyah am Sonntag, als der Rennfahrer im Finale einen großartigen, langen Drift ansetzt, der alle Verfolger in eine Sandwolke taucht. Ganz zum Schluss soll das aber nicht für den Sieg reichen – nach einem Fehler in der Wechselzone wird das Team sogar qualifiziert.

Als Sieger des Rennwochenendes steht stattdessen einmal mehr das Team von Nico Rosberg ganz oben auf dem Siegertreppchen. RXR mit Johan Kristoffersson und Mikaela Åhlin-Kottulinsky holt sich den Sieg beim Island X-Prix II und liegt auch in der Gesamtwertung weiterhin vorne.

Das nächste Rennen ist für den 24. und 25. September angesetzt. Hier geht es dann zum „Copper X-Prix“ nach Chile.