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Eine „technologische Spielwiese“: Wie Extreme E Innovationen für den Alltag antreibt

 

Das Extreme-E-Lager an einem Renntag ist ein faszinierender Ort. Schon früh am Morgen geht es geschäftig zu: Reparaturen stehen an der Tagesordnung, aber auch Feedback, Verbesserungsvorschläge, Korrekturen und neue Ideen machen die Runde.

Beim Island X-Prix auf Sardinien brauchte es eigentlich nur einen zehnminütigen Spaziergang zwischen den Zelten der Teams, um so ziemlich jede Situation einmal gesehen zu haben.

Während in einem Zelt hektisch an einem ramponierten Odyssey 21 geschraubt wird, sitzt im nächsten ein komplettes Team um den Bildschirm versammelt, um Verbesserungen zu analysieren. Fahrer diskutieren miteinander oder mit der Technik, Teile liegen auf dem Boden verteilt, um die Ecke wird ein Motor getestet. Wie gesagt: geschäftig.

Es ist aber auch kein Wunder, dass viel geschraubt wird – denn bei Extreme E müssen nicht nur die Fahrer, sondern eben auch der Rennwagen mit extremen Bedingungen klarkommen.

Auf Sardinien hatte man es mit einer staubtrockenen, harten Strecke zu tun, die außerdem auch noch die Sicht einschränkte. Markus Michelberger, Race Engineer bei ABT Cupra, erklärte: „Das Schwierigste ist der ‚Dust‘.“

Der aufwirbelnde Staub machte es nahezu unmöglich, die Übersicht auf der Strecke zu behalten. Umso wichtiger war es, die richtige Linie zu wählen und sich möglichst schnell nach vorne zu bewegen: „Der zweite hinter dem Führenden hat es noch leicht. Aber auf Platz drei, vier, fünf – da siehst du nix mehr, das ist fast Blindflug.“

Nicht nur der Sand stellte die Teams vor Herausforderungen: „Auch ansonsten ist es ziemlich challenging, beide Fahrer auf die Pace zu bringen“, erklärt Michelberger: „Du musst Fahrern viel Hilfe geben, mit den Linien. Setup-mäßig mussten wir viel machen, weil die Strecke so bumpy war.“

Auch die Reifen mussten jede Menge aushalten, bei all den Steinen, Felsen, Sträuchern und Schlaglöchern, die auf der Strecke verteilt waren. Doch genau darauf sind sie ausgelegt: „Die Reifen an sich haben super standgehalten, muss ich sagen“, so Michelberger.

Das soll natürlich auch in Zukunft so bleiben. Und damit das der Fall ist, arbeitet Continental bereits an dem neuen Modell für die kommende Season 3 von Extreme E.

Nachhaltige Materialien für widerstandsfähige Reifen – auch im Alltag

Auf Sardinien wurden bereits einige Tests mit neuen Reifen-Konfigurationen unter Real-Bedingungen auf der Strecke durchgeführt. Früh am Morgen jagte der Odyssey 21 mit frischen Reifen über die Piste des sardischen Militärgeländes, auf dem später der Island X-Prix II stattfinden würde.

„Wir suchen nach Verbesserungen mit verschiedenen Materialien und unterschiedlichen Konstruktionen“, erklärte Continental-Experte Nels von Schnakenburg vor Ort: „Wir haben verschiedene Spezifikationen auf der Strecke getestet, mit guten Ergebnissen. Jetzt schicken wir die Reifen zurück nach Hannover, um sie weiter zu analysieren.“

Tatsächlich spielt das aber nicht nur für die Renn-Reifen von Extreme E eine Rolle, sondern auch für die Serienproduktion von Alltagsreifen. Die Renn-Serie fungiert für Continental auch als eine Möglichkeit, neue Innovationen auszuprobieren und zu testen. Der nachhaltige Ansatz von Extreme E passt zu den Technologien, an denen Continental derzeit für die Zukunft arbeitet.

Schon in der Vergangenheit begünstigte die „technologische Spielwiese“ Extreme E neue Ideen für den Alltag: „Wir nutzen die Serie auch, um neue Materialien auszuprobieren – wie Reishülsen und PET-Flaschen“, so von Schnakenburg. 

Das Ergebnis: ContiRe.Tex. Dabei handelt es sich um ein Karkassenmaterial, das komplett aus recycelten Plastikflaschen besteht. Zudem wird Silica-Material verwendet, das aus Reishülsen hergestellt wird. Dadurch besteht der CrossContact-Reifen der zweiten Extreme-E-Season zu 32,7 % aus recyceltem Material.

Und bei dem speziellen Rennreifen blieb es nicht: „Die recycelten PET-Flaschen sind das beste Beispiel, denn ContiRe.Tex ist gerade in die Serienproduktion gegangen“, erklärt von Schnakenburg. Damit sind nun auch im Alltag Reifen verfügbar, in denen alte Plastikflaschen verarbeitet wurden: „So wollen wir die Serie nutzen – für Tests.“

Ein Lager voller Techniker

Es gibt vermutlich kaum eine bessere Umgebung dafür, denn im Extreme-E-Lager treffen Motorsport-Enthusiasten aus aller Welt aufeinander, die so im direkten Austausch stehen. Vor Ort arbeitet Continental eng mit den Teams zusammen. Nicht nur als Dienstleister, der sich um die Reifen des Odyssey 21 kümmert, sondern auch um Feedback zu bekommen, Hinweise zu den Reifen zu geben und noch mehr Leistung zu ermöglichen.

Ähnliches berichtet auch Bobby Smith, der Director of Motorsports vom amerikanischen Suspension-Hersteller „FOX“. Dieser war auf Sardinien zum ersten Mal als Partner vor Ort: „Am Anfang waren die Fahrer definitiv ein wenig zurückhaltend. Aber als sie mehr Zeit mit dem Produkt verbrachten, sahen wir, wie ihr Selbstvertrauen zunahm.“

Dann tat der Ehrgeiz sein Übriges. Jeder wollte das Beste rausholen und der Austausch nahm zu: „Die Teams haben sich an uns gewöhnt und über die Woche kamen immer mehr vorbei, um Fragen zu stellen.“

Deshalb ist Extreme E der perfekte Ort, um neue Ideen auszutauschen und Innovationen voranzutreiben. Schließlich sind im Rennlager jede Menge Experten vor Ort, die neue Ansätze befeuern können. Welche Ideen so wohl noch entstehen werden? Das dürfte die Zukunft zeigen – denn es stehen ja immer noch jede Menge weitere Rennen an. Allein in Season 2 laufen noch der Copper X-Prix Ende September und der Energy X-Prix Ende November.

Es bleibt also noch etwas Zeit für die Teams, sich auf die kommenden Renntage vorzubereiten. Auch Continental wird dann wieder vor Ort sein und den Fahrerinnen und Fahrern mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Apropos: Wie die Protagonisten hinter dem Steuer das Rennen auf Sardinien erlebt haben, erfahrt ihr hier.