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Team Movistar

„Tour de France“-Sieg dank Löwenzahn?

21/08/2020


  • Interview mit Claus Petschick, Leiter der Sustainability-Abteilung
  • Urban Taraxagum weltweit erster Fahrradreifen mit einer Lauffläche aus Löwenzahn-Kautschuk

​​Bei der Tour de France wird Wert auf Umweltschutz gelegt. Das passt perfekt zur Nachhaltigkeits-Strategie von Continental. Claus Petschick, Leiter der neuen Sustainability-Abteilung im Geschäftsfeld Reifen von Continental, erklärt das Engagement – und warum Radrennfahrer bald mit Löwenzahnreifen an den Start gehen könnten.

Herr Petschick, die Veranstalter der Tour de France legen Wert auf ein nachhaltiges Rennen. Es werden zum Beispiel Umweltschutzgebiete entlang der Rennstrecke und die Mülltrennung während des Rennens gefördert. Wie kann Continental als Partner der Tour seinen Beitrag für einen nachhaltigen Wettbewerb leisten?

Claus Petschick: Continental steht für Nachhaltigkeit, gerade und vor allem auch als Partner der Tour de France. Das Geschäftsfeld Reifen engagiert sich seit vielen Jahren konsequent im Bereich Nachhaltigkeit. Wir haben jüngst im Rahmen unseres Strategieprogramms „Vision 2030“ sämtliche Aktivitäten und Projekte in einer neu geschaffenen Sustainability-Abteilung gebündelt. So können wir unsere weltweiten Aktivitäten und Forschungsprojekte rund um das Thema Nachhaltigkeit noch zielgerichteter steuern. Hierzu trägt auch unser Engagement im Rahmen der Partnerschaft mit GPSNR (Global Platform for Sustainable Natural Rubber) und der GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) bei, bei der wir uns zum Ziel gesetzt haben, Naturkautschuk auf nachweislich nachhaltige Weise zu gewinnen. Dabei wollen wir eine verfolgbare und nachhaltige Lieferkette aufbauen und durch Best Practices in der Naturkautschukproduktion mit gutem Beispiel vorangehen.
Wir betreiben also in vielen Bereichen Grundlagenforschung, um alternative Rohstoffquellen für die Reifenproduktion zu erschließen.

Claus Petschick, Leiter der Sustainability-Abteilung

Können Sie ein Beispiel nennen?

Claus Petschick: Continental hat vor rund zwei Jahren ein neues Forschungslabor in Mecklenburg-Vorpommern in Deutschland eingerichtet. Im Taraxagum-Labor arbeiten wir gemeinsam mit Experten des Fraunhofer-Instituts daran, Naturkautschuk aus Löwenzahnpflanzen zu gewinnen. Dadurch werden künftig Kautschuk-Plantagen direkt am Reifenwerk möglich sein, was ökologisch und ökonomisch sinnvoll ist. Durch kurze Transportwege wird somit der CO2-Ausstoß deutlich verringert.
Außerdem können wir damit dem Umweltproblem der immer größeren Entwaldung und der damit verbundenen Umwandlung von Waldflächen hin zu anderen Landnutzungsformen etwas entgegensetzen.

Könnten dann auch in Zukunft Radrennfahrer mit Löwenzahnreifen unterwegs sein?

Claus Petschick: Das ist heute schon der Fall! Mit dem Urban Taraxagum haben wir den weltweit ersten Fahrradreifen mit einer Lauffläche aus Löwenzahn-Kautschuk auf den Markt gebracht. Und wo haben wir ihn präsentiert? Natürlich im Rahmen der Tour de France im vergangenen Jahr. Die Profirennfahrer sind zwar noch nicht damit unterwegs, doch als besonders leistungsfähiger und eben nachhaltiger Reifen für den Einsatz in der Stadt ist er sehr gefragt. Weitere Einsatzgebiete sind in Zukunft nicht ausgeschlossen…

Werden auch Pkw bald damit unterwegs sein?

Claus Petschick: Die Fahrradreifen stellen wir derzeit noch an unserem deutschen Standort in Korbach in einer Kleinserie her. Für den großen Einsatz am Automobil sind wir noch nicht ganz so weit. Wir arbeiten aber intensiv an der weiteren Industrialisierung von Löwenzahn-Reifen. Die ersten Serienreifen für Pkw erwarten wir in den kommenden fünf bis zehn Jahren. Wir haben bereits sehr vielversprechende Experimentalreifen auf unserem hauseigenen Testgelände Contidrom bei Hannover und im schwedischen Arvidsjaur absolviert. So eine Entwicklung braucht jedoch Zeit, damit am Ende ein vielseitig einsetzbares, qualitativ exzellentes Hochleistungsprodukt auf den Markt kommen kann.

Löwenzahn ist dafür sicher nicht das einzige Wundermittel?

Claus Petschick: Nein, aber ein besonders spannendes. Wir arbeiten natürlich in vielen Bereichen kontinuierlich daran, unsere Produktion und Produkte immer nachhaltiger zu gestalten, im Einklang mit der eingangs erwähnten Strategie. Dafür werden alle Bauteile eines Reifens immer wieder auf den Prüfstand gestellt und, sofern möglich, durch umweltschonendere Materialien ersetzt. Zum Beispiel haben wir einen Spezialreifen für Hybridfahrzeuge entwickelt, der im Vergleich zu einem Standardreifen einen um rund 30 Prozent geringeren Rollwiderstand hat. Damit muss ein Hybridfahrzeug deutlich weniger über seinen Verbrennungsmotor bewegt werden, die Fahrstrecke im Elektrobetrieb wird länger.

Der Rollwiderstand ist ein Schlüssel zu einer nachhaltigeren Mobilität?

Claus Petschick: Ganz richtig. Neben der Sicherheit ist ein möglichst niedriger Rollwiderstand eines der wichtigsten Ziele bei der Forschung und Entwicklung. Damit lässt sich der Kraftstoff- und Energieverbrauch signifikant senken. Wenn also bei künftigen Auflagen der Tour de France einmal nur noch Hybrid- oder Elektrofahrzeuge im Begleittross unterwegs sein sollten: Wir werden dafür die passenden Reifen haben.

Kontakt
Klaus Engelhart
Klaus Engelhart

Pressesprecher - Pkw-/Zweiradreifen D/A/CH
Region EMEA

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