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WEISS, GELB, GRAU

Technologie

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27/08/2019
 

Sind das die Farben der Sicherheit? Weltweit versuchen Forscher herauszufinden, in welcher Farbe Autos am sichersten über die Straßen rollen. Klar ist: Dunkel lackierte Wagen kommen schlecht weg.


Hinter dunkel getönten Scheiben fuhren die Politik-Größen der Welt 2019 im französischen Biarritz vor. Der G7-Gipfel am Atlantik: ein Macht-Schaulaufen. Sichtbar wurde das bereits an der Farbe der Limousinen, in denen Donald Trump, Angela Merkel und weitere Politiker kurze Wegstrecken zurücklegten – fast alle Autos waren schwarz lackiert. Und das offenbar nicht ohne Grund. Der renommierte Kommunikationswissenschaftler und Farbpsychologe Professor Harald Braem, Autor des Standardwerkes „Die Macht der Farben“, beschreibt Schwarz als „die Farbe der Macht“. Untersuchungen zeigen, dass der Farbton mit „Erfolg“ assoziiert wird, als Powerfarbe gilt und Menschen sogar attraktiver erscheinen lassen soll. Die Wagenfarbe der meisten Staatsoberhäupter überrascht also kaum. Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen zeigen jedoch auch dies: Dunkle, insbesondere schwarze Autos sind häufiger in Unfälle verwickelt als helle. Für gut gesicherte Staatskarossen auf abgesperrten Straßen mag das kein Problem sein. Doch für den normalen Autofahrer schon. Dennoch gehört Schwarz in vielen Ländern zu den beliebtesten Autofarben. In Deutschland zum Beispiel, dem Geburtsland des Automobils, waren drei von vier Neuzulassungen 2017 in den Farben Grau, Weiß und Schwarz lackiert. Vor allem Schwarz ist seit vielen Jahren eine gern gewählte Farbe.

Neuseeländische und australische Forscher fanden heraus, dass silberne und graue Autos am seltensten in Unfälle verwickelt waren. Foto: Daimler

 

Eine Studie des Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen zeigt, dass Farben bereits im Zusammenspiel mit der akustischen Wahrnehmung eine psychologisch wichtige Rolle spielen. Die Wissenschaftler fanden in einer Versuchsreihe mit unterschiedlich lackierten Wagen heraus, dass schwarze und rote Autos bei vielen Menschen einen „röhrenden“, sportlichen Eindruck hinterlassen – selbst, wenn der Motor noch gar nicht läuft. Kein Wunder also, dass Besitzer roter Autos besonders häufig von der Polizei kontrolliert werden. Weiße Autos hingegen wurden von einem Großteil der Menschen als angenehm ruhig und leise wahrgenommen. Graue Wagen hinterließen sogar einen langweiligen, schwachen und trägen Eindruck. Einen gegenteiligen Effekt hatten der CAR-Studie zu Folge grüne Autos, die als lärmend und nervend abgetan wurden.

 

Und diese psychologische Wirkung der Autolackierung kann eine große Rolle für die Verkehrssicherheit spielen. Rund um den Globus beschäftigen sich Forscher mit dem Einfluss von Farben auf die Fahrsicherheit. Eine eher kuriose Studie aus Großbritannien zeigt beispielweise auf, dass rote Autos diejenigen Wagen sind, die Vögeln besonders gern als Kot-Zielscheibe dienen. Rot als Signalfarbe signalisiere Gefahr, weshalb die Tiere schneller die Flucht ergreifen und sich mit einer gut platzierten Notdurft zur Wehr setzen würden, lautete die Erklärung der Wissenschaftler. Ein Forschungsteam neuseeländischer und australischer Forscher fand hingegen heraus, dass silberne Autos von allen Pkw am seltensten in Unfälle verwickelt waren. Sie stellten fest, dass silberne Wagen im Vergleich zu weißen Pkw besonders selten einen Unfall bauen. Experten der australischen Monash Iniversity allerdings behaupten genau das Gegenteil. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass das Fahren eines grauen oder silbernen Autos die Wahrscheinlichkeit, in einen Unfall verwickelt zu werden, um mindestens zehn Prozent erhöhe. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2017 bescheinigte wiederum gelben Autos ein deutlich geringeres Unfallrisiko. Forscher der National University of Singapore fanden heraus, dass gelbe Taxis um ein Vielfaches seltener in Unfälle auf Singapurs Straßen verwickelt waren als ebenfalls auf Singapurs Straßen fahrenden blaue Taxis. Die Begründung des Untersuchungsteams: Gelbe Taxis seien besser zu sehen.

Wissenschaftler sind sich darüber einig, dass dunkel lackierte Autos häufiger in Unfälle verwickelt sind. Dennoch gehört die Farbe Schwarz zum Beispiel in Deutschland immer noch zu den beliebtesten Lackierungen der Pkw-Fahrer. Foto: Volkswagen

 

Die Studien stellen in Puncto Sicherheit also drei unterschiedlichen Autofarben die Bestnote aus: Weiß, Silbern und Gelb. Klar scheint deshalb nur eins zu sein: Hell ist Trumpf. Denn alle Studien kamen zu dem Ergebnis, dass dunkel lackierte Autos eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit haben, in einen Unfall zu geraten. Doch warum stechen die hellen Farben die dunklen aus? Als Knackpunkte gelten die Auffälligkeit und Sichtbarkeit der Farben. Lange bevor die Farbe eines Autos unter Sicherheitsaspekten betrachtet wurde, nutzten Unternehmen grelle Farben, um auf der Straße aufzufallen. Die Farbe der berühmten New Yorker Taxis, der Yellow Cabs, wurde zum Beispiel gewählt, um besser zwischen den Anfang des 20. Jahrhunderts überwiegend schwarzen Autos aufzufallen. Denn dunkle Farben sind bei Dämmerung oder nachts naturgemäß schlechter zu erkennen.

Die Experten des TÜV Nord attestiert hellen Fahrzeugen eine geringere Unfallanfälligkeit. Helle Farben seien in der Natur seltener zu sehen und würden deshalb stärker auffallen. Foto: BMW

 

Das ist nun auch amtlich: Der TÜV Nord, Deutschlands technischer Überwachungsverein für mehr Sicherheit auf den Straßen, attestiert weißen Autos ein geringeres Unfallrisiko. Kurioserweise begründet der TÜV die Farbempfehlung mit einer sehr ähnlichen Begründung wie einst die Urväter der Yellow Cabs. Helle Farben kämen in der Umgebung seltener vor. Der TÜV ergänzt, dass das Sonnen- und Scheinwerferlicht von hellen Flächen zudem besser reflektiert werde als von dunklen Oberflächen. Tatsächlich erlebt weißer Lack auch einen wahren Boom: Waren Anfang der 2000er Jahre etwa in Deutschland nicht einmal drei Prozent aller neuzugelassenen Autos weiß lackiert, bekamen im Jahr 2018 über 20 Prozent einen weißen Anstrich. In asiatischen Ländern ist sogar knapp die Hälfte aller 2018 zugelassenen Neuwagen im weißen Gewand unterwegs. Als sicherste Farbe könne Weiß heute jedoch nicht bezeichnet werden, sagte eine TÜV Nord-Sprecherin auf Nachfrage. Technische Fortschritte wie die Entwicklung des Kurvenlichts, intelligenter Scheinwerfer und der vermehrte Einsatz von LED-Technologien am Auto hätten dazu geführt, dass auch anders lackierte Autos jederzeit gut sichtbar sind. Statistiken des Automobilclubs ADAC belegen, dass sowohl die Anzahl als auch der Anteil der Unfälle bei Nacht seit Anfang der 1990er Jahre deutlich zurückgegangen ist. Welchen Anteil am Rückgang dieser Daten die Fahrzeugfarbe hat, lässt sich allerdings nur mutmaßen. Denn die Farbe von Unfallautos wird zumindest in Deutschland nicht statistisch erfasst.

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