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Wie funktioniert eigentlich ein Rechtsabbiegeassistent?

Technologie

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02/09/2019
 

Assistenz- und Sicherheitssysteme helfen Unfälle zu vermeiden. Auf VisionZeroWorld erklären wir, wie ABS, ESP & Co. eigentlich funktionieren. Heute: der Rechtsabbiegeassistent.


Ein bekanntes Szenario: Rush Hour im Feierabendverkehr, in der Stadt wimmelt es von unterschiedlichsten Verkehrsteilnehmern. Pendler, die sich mit ihren Pkw in Richtung Stadtrand schieben. Lkw, die letzte Lieferungen ausfahren. Passanten, die aus Bussen steigen, auf Handys schauen, Fahrbahnen kreuzen. E-Roller-Fahrer, die im Slalom zwischen Fußgängern kurven. Fahrradfahrer, die sich ihren Weg durch die Blechkolonnen suchen. Fahrradfahrer – sie sind zur Rush Hour besonders gefährdet: Fahrradwege sind oft zugeparkt, gar nicht vorhanden, oder müssen von Pkw und Lkw beim Abbiegen gekreuzt werden. Während die Zahl der Unfälle mit Todesfolge seit 2010 bei Autofahrern in Deutschland (minus 22,6 %), Fußgängern (minus 3,8 %) und Motorrad- und Mofafahrern (minus 1,7 %) zurückging, stiegen sie bei Fahrradfahrern um 16,8 Prozent deutlich an. Besonders gefährlich für Fahrradfahrer ist es, wenn motorisierte Verkehrsteilnehmer rechts abbiegen. Immer häufiger ist derzeit von tragischen Unfällen zu lesen, bei denen ein Lkw-Fahrer beim Rechtsabbiegen einen neben ihm geradeaus lenkenden Fahrradfahrer übersehen hat.

Der Rechtsabbiegeassistent von Continental erkennt Fahrradfahrer und Fußgänger, die sich im toten Winkel eines Lkw befinden – und warnt sofort den Fahrer. Foto: Continental

 

Dabei gibt es eine Technologie, die dies verhindern kann: der Rechtsabbiegeassistent. Im Lkw-Bereich ist der Einbau von solchen Assistenzsystemen ab 2020 für alle neuen Fahrzeugtypen EU-weit Pflicht. Damit wird ein großes Plus an Sicherheit im Straßenverkehr einhergehen. Continental gehört zu den führenden Unternehmen für die Entwicklung solcher Schutzsysteme – die zudem nun auch in Pkw eingesetzt werden sollen. Denn damit wird die Sicherheit beim Abbiegen deutlich erhöht. Continental hat dafür eine neue Radargeneration entwickelt, die auch dank einer 77-Gigahertz-Technologie zu einer 360-Grad-Überwachung des Umfelds in der Lage ist. Zur Einordnung: Zuvor wurde im Automobil 24-GHz-Technik eingesetzt, deren Auflösung deutlich geringer war. Mit der neuen Technologie lässt sich mithilfe der Radarsensoren die Umgebung nun noch trennschärfer erfassen, Bewegungsrichtungen und Geschwindigkeiten anderer Verkehrsteilnehmer können noch exakter bestimmt werden als bisher. In Zukunft wird Continental das bislang radarbasierte System um Kameratechnologie erweitern.

 

Und so funktioniert der Rechtsabbiegeassistent in der Praxis: Wenn ein Autofahrer nach rechts abbiegen möchte, während ein Fahrradfahrer gerade im Begriff ist, an der rechten Seite des Fahrzeugs vorbeizufahren, greift das System ein. Für Autofahrer ist diese riskante Situation, trotz Schulterblicks nach hinten, nicht immer zu erkennen. Registrieren die Sensoren in einem solchen Fall den Radfahrer, wird der Fahrer gewarnt. Reagiert er nicht, geben die Sensoren ein entsprechendes Signal an die Bremse aus und das Auto stoppt – ehe es zu einem Zusammenprall mit dem Radfahrer kommt. Selbstverständlich schützt diese Sicherheitsunktion auch Fußgänger und Rollerfahrer. Continental bietet mit diesem Assistenzsystem eine weitere Technologie an, die zur Realisierung der Vision Zero beiträgt, also dem unfallfreien Straßenverkehr der Zukunft. Zudem leistet die neue Technik von Continental bereits jetzt, was in Euro-NCAP-Sicherheitsszenarien ab 2022 verlangt wird: Eine weitere Verbesserung des Schutzes für Fußgänger und Radfahrer. Ein Rechtsabbiegeassistent für Pkw, so ergab eine Auswertung der Continental-Unfallforschung, könnte fünf Prozent aller Unfälle mit getöteten oder schwerverletzten Radfahrern in Deutschland (in Japan sieben Prozent, in den USA 8,5 Prozent aller Unfälle mit getöteten Radfahrern) und weitere sechs Prozent der Unfälle, bei denen Radfahrer leicht verletzt werden, verhindern helfen. Mithilfe des Rechtsabbiegeassistenten bei Lkw könnten allein in Deutschland 36 Prozent aller Unfälle, bei denen ein Radfahrer getötet wird, verhindert werden.

Auch in Pkw sollen Rechtsabbiegeassistenten für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen. Foto: Continental

 

Überhaupt gehört die detaillierte Erfassung des Autoumfelds zu den größten Herausforderungen bei der Entwicklung neuer Assistenzsysteme. Eine Voraussetzung für viele Systeme ist auch das sogenannte Umfeldmodell von Continental. Diese Technologie erkennt mit Hilfe von Sensoren wie Kamera, Radar und Lidar sowie unter Einbeziehung von Navigationsdaten die Umgebung rund um das Fahrzeug. Die gesammelten Daten werden mehr als fünfzig Mal pro Sekunde von einem intelligenten Steuergerät – einem Hochleistungsrechner namens Assisted Automated Driving Control Unit (ADCU) – ausgewertet und interpretiert. Die Elektronik „sieht“ dann zum Beispiel, dass ein Fahrzeug auf der Gegenfahrbahn näherkommt, dass auf der eigenen Fahrspur 200 Meter voraus ein anderes Fahrzeug fährt – oder das sich ein Fahrradfahrer rechts im toten Winkel des Fahrzeugs aufhält.

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