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23/04/2019

Sicher am Steuer anno 1970 dank neuer Gurt-Technologie made in Sweden. Foto: Volvo

 

…dass der Sicherheitsgurt in Schweden erfunden wurde?


In Schweden war Sicherheit schon immer ein großes Thema. Autos aus dem skandinavischen Land gelten seit jeher als besonders robust, denn hinter jeder Kurve könnte ein Elch stehen. Volvo sorgte bereits vor 60 Jahren für Aufsehen, als sich Ingenieur Nils Ivar Bohlin 1959 den Dreipunkt-Sicherheitsgurt patentieren ließ. Zwar gab es auch zuvor schon rudimentäre Gurt-Systeme, etwa im 1902 in den USA präsentierten Geschwindigkeitsrekordwagen Baker Torpedo. Doch Volvo machte den Sicherheitsgurt für alle Autofahrer salonfähig. Die Basiskonstruktion des Dreipunkt-Sicherheitsgurtes ist bis heute fast gleich geblieben – allerdings mit dem Unterschied, dass der Gurt heute Teil eines Hightech-Sicherheitssystems ist, das kontinuierlich weiterentwickelt wird. Ein Part davon ist zum Beispiel der aktive Gurtstraffer, der die Fahrzeuginsassen auf einen bevorstehenden Unfall oder eine Notbremsung vorbereitet, indem durch ein Anziehen des Sicherheitsgurts der Körper in eine optimale Sitzposition gebracht wird.

 

Der Dreipunkt-Sicherheitsgurt spielt eine zentrale Rolle für den Insassenschutz nicht nur in Volvo-Modellen. Die Einführung des Sicherheitsgurtes allerdings glich einer Sensation in Deutschland. „Anschnallen bitte“ – so lautete die Headline in der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“ am 2. Januar 1976. Grund dafür war eine neue Regel in der Straßenverkehrsordnung: die Anschnallpflicht, die nun für alle Pkw ab dem Baujahr 1974 gelten sollte. Die Gurtpflicht beschränkte sich zwar zunächst nur auf die Vordersitze, aber es war der Beginn einer neuen, sicheren Verkehrsära. Zu Beginn spielten sich skurrile Szenen an Ampeln und Kreuzungen ab. Journalisten gingen auf die Pirsch, hielten während der Rotphasen die Mikrofone ihrer Tonbandgeräte in geöffnete Fenster und stellten Fragen wie „Wie ist es so mit ihm?“. "Ihm"? Damit war der Gurt gemeint. Oder: „Warum noch ohne?“.

 

Dazu machten teils kuriose Gerüchte die Runde, man hatte sich offenbar noch nicht ans Anschnallen gewöhnt. Die Insassen seien ja ans Auto gefesselt, besonders, wenn man mal aus Versehen im Wasser landen sollte, hieß es. Autofahrerinnen monierten sogar, das Tragen des Gurtes habe negative Auswirkungen auf Form und Volumen ihrer Brüste. Der Diskurs war teils an Absurdität nicht zu überbieten. Oder doch? Der frühere VW-Chef Kurt Lotz meinte jedenfalls 1970 in einem Interview: „Sicherheit verkauft sich schlecht.“ Er sollte eines Besseren belehrt werden. Heute nutzen in Mitteleuropa 95 Prozent aller Autofahrer den Sicherheitsgurt. „Der Sicherheitsgurt bleibt Lebensretter Nr. 1 im Auto", sagt Stefanie Ritter, Unfallforscherin der Prüforganisation Dekra. „Bereits bei geringen Aufprallgeschwindigkeiten treten Kräfte auf, die ein Mensch nicht auffangen kann. Für nicht angegurtete Insassen ist selbst der Airbag nahezu wirkungslos."