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Mit der Macht von 5G

VisionZeroNews

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24/09/2019
 

Continental entwickelt in Kooperation mit Vodafone einen „Digitalen Schutzschild“ vor allem auch für Fußgänger und Fahrradfahrer. Rob Gee, Telematik Engineering Manager bei Continental, erklärt im Interview wie die neue Technologie die Straßen sicherer macht – und was das innovative System mit der „Macht“ in den „Star Wars“-Filmen gemeinsam hat.

Interview Rob Gee Star Wars

Rob Gee, Telematik Engineering Manager bei Continental

 

Herr Gee, Continental entwickelt einen „Digitalen Schutzschild“ für Fußgänger und Fahrradfahrer, um ihnen mehr Sicherheit im Straßenverkehr zu bieten. Das klingt ja fast schon nach dem Science-Fiction Klassiker „Star Wars“ und neuen Abwehrmaßnahmen gegen die imperiale Armee… Ist Ihren Ingenieuren die Idee zu dieser neuen Technologie an einem gemeinsamen Kinoabend gekommen?
Ein gemeinsamer Filmabend ist natürlich immer eine gute Idee. Aber hinter dieser neuen Technologie steht ein ernstes Anliegen.
Schauen wir auf die Unfallzahlen, denn die sprechen für sich: Jedes Jahr sterben weltweit 1,35 Millionen Menschen an den Folgen von Verkehrsunfällen. Dagegen müssen wir etwas tun. Als eines der führenden Technologieunternehmen der Automobilindustrie haben wir unsere Vision Zero als Ziel – eine Welt ohne Verkehrsunfälle. In Kombination mit Daten aus dem Fahrzeug – Geschwindigkeit, Blinker-Aktivierung oder Einschlagwinkel des Lenkrads – ergibt  sich ein schlüssiges Bild. Das System warnt, sobald die Wege von Auto, Fahrrad oder Fußgänger sich gefährlich kreuzen.


Insbesondere Fußgänger und Fahrradfahrer gehören zu den Leidtragenden von Unfällen. Wie wird der neue „Digitale Schutzschild“ sie vor gefährlichen Situationen bewahren?
Der „Digitale Schutzschild“ ist eine wesentliche Innovation, die durch unsere Kooperation mit Vodafone vorangetrieben wird. Wir entwickeln diese Technologie gemeinsam, gerade auch zum Schutze schwächerer Verkehrsteilnehmer. Fahrradfahrer und Fußgänger sind beispielsweise besonders häufig betroffen. Für Kinder und junge Menschen im Alter von fünf bis 29 Jahren ist der Verkehrsunfall global betrachtet sogar Todesursache Nummer Eins. Die Frage also ist: Wie kann man alle Verkehrsteilnehmer besser schützen, eben auch jene, die kein Assistenzsystem dabeihaben? Die Lösung liegt in der Tatsache, dass fast alle Menschen ein Smartphone mit sich führen. Dazu ist mittlerweile die Hälfte der weltweit verkauften neuen Automobile mit Mobilfunk- Technologie ausgestattet. Wir lassen nun also das Smartphone eines Fußgängers oder Fahrradfahrers mit den Fahrzeugen kommunizieren. Dafür muss eine App aufs Mobiltelefon geladen werden. Diese sendet Informationen zu Position, Bewegungsrichtung und Geschwindigkeit über das Mobilfunknetz auf unseren Server. Der wiederum schickt die Informationen in Sekundenbruchteilen an all jene Fahrzeuge, die Mobilfunk-Telematik-Anwendungen oder V2X-Technologie an Bord haben, also Technologien, die die Kommunikation von Fahrzeugen mit der Infrastruktur außerhalb des Automobils ermöglichen. In Kombination mit Daten aus dem Fahrzeug – Geschwindigkeit, Blinker-Aktivierung oder Einschlagwinkel des Lenkrads – ergibt sich ein schlüssiges Bild. Das System warnt, sobald die Wege von Auto, Fahrrad oder Fußgänger sich gefährlich kreuzen.


Ist das die Zukunft der Mobilität? Dass jeder mit jedem vernetzt ist?
Ja. Aber mit Einschränkungen. Natürlich hat jeder Mensch die Wahl, ob er Teil eines Netzwerkes werden möchte, das ihm und anderen mehr Sicherheit bringt. Es wird für Fußgänger oder Fahrradfahrer sicher keine Verpflichtung sein, sich die entsprechende App auf dem Handy zu installieren. Sorge muss man nicht haben: Es werden über V2X-Technologie keine Daten weitergegeben, die einen Rückschluss auf die beteiligten Nutzer zulassen. Auch werden zum Beispiel die Informationen von der Handy-App eines Fußgängers über dessen Position und Bewegungsrichtung nur exakt den Fahrzeugen zugespielt, die tatsächlich auf einem potenziellen Kollisionskurs mit der betreffenden Person liegen. Und auch die sind komplett anonymisiert. Letztlich ist es kein großer Unterschied zu heute: Verkehrsteilnehmer kommunizieren miteinander und tauschen Informationen aus. Ein Autofahrer beobachtet zum Beispiel beim Abbiegen die sich nähernden Passanten, Fußgänger wiederum schauen, wie schnell sich aus welcher Richtung Fahrzeuge nähern. Wenn es nun gelingt, diese Kommunikation zu automatisieren und Computer mögliche Folgen berechnen zu lassen, bekommen wir eine deutlich präzisere Vorhersage zu möglichen Risiken.

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Die Vernetzung von Fahrzeugen untereinander und mit der Infrastruktur ist ein entscheidender Baustein für das Ziel der Vision Zero – eine Welt ohne Unfälle.

 

Das System verlangt aber danach, dass möglichst viele Verkehrsteilnehmer ein intelligent vernetztes Auto fahren – oder ihr Smartphone in der Tasche haben.
Das ist kein Problem. Es gibt mittlerweile immer mehr Geräte und Anwendungen, die sich statt eines Smartphones in unser System integrieren lassen: Smart Watches, Fitness-Tracker, kabellose Lautsprecher, MP3-Player und Ähnliches. Immer mehr Menschen führen zumindest eines dieser Geräte oder ein artverwandtes Gerät bei sich. Sogar Kleidung wird mittels kleinster Steuereinheiten im Stoff heute intelligent. Dazu gibt es Fahrradcomputer, die Daten erheben oder vor Diebstahl schützen. Es eröffnen sich immer mehr Möglichkeiten, Teil des smarten Netzwerkes zu werden – auch ohne Smartphone in der Tasche. Entscheidend ist, dass ein elektronisches Gerät in der Lage ist, Informationen zu übermitteln. Unser System ist dabei für die unterschiedlichsten Kommunikationsstandards ausgelegt. Das Praktische an dieser Lösung ist ja gerade, dass wir all die Geräte und Gadgets, die die Menschen sowieso mit sich führen, in das Digitale Schutzschildsystem integrieren. Niemand muss sich eigens ein spezielles Gerät kaufen.


Dennoch werden Daten erhoben und weitergeleitet, die Informationen über den Standort und den Weg eines Verkehrsteilnehmers beinhalten. Könnten Nutzer sich nicht überwacht und kontrolliert fühlen?
Das Problem sehe ich nicht. Schon heute geben viele Menschen freiwillig deutlich mehr Informationen von sich preis, als unser System erheben wird. Viele Smartphone-Apps arbeiten mit Funktionen, die eine genaue Ortung des Geräts ermöglichen. Wer online ist, wer Suchmaschinen aktiviert oder auf Social-Media-Plattformen aktiv ist, ist ebenfalls Teil eines in weiten Teilen öffentlichen Netzwerkes. Der Digitale Schutzschild arbeitet nur mit einem Bruchteil der Menge an Informationen, die viele Menschen jeden Tag an die Öffentlichkeit geben. Die Daten, die ausgetauscht werden, sind anonym und nur dafür ausgelegt, potenzielle Unfallgefahren zu minimieren. Es ist ja ein deutliches Plus an Sicherheit, das man mit einem letztlich eher geringen Informationsaustausch erhält.

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Der „Digitale Schutzschild“ von Continental, der in Kooperation mit Vodafone realisiert wird, dient vor allem auch Passanten und Fahrradfahrern.

 

„Die Daten, die ausgetauscht werden, sind anonym und nur dafür ausgelegt, potenzielle Unfallgefahren zu minimieren.“

Continental kooperiert unter anderem für die Entwicklung der Digitalen Schutzschilder mit Vodafone. Ist das ein Zeichen einer neuen Mobilität: Automotive-Unternehmen arbeiten mit Telekommunikationskonzernen Hand in Hand?
Durchaus. Neue Kooperationen sind notwendig, um Innovationen voranzutreiben. Fahrzeuge müssen sich heute, und künftig noch viel mehr, sicher im Straßen- und im Datennetz bewegen. In der Kooperation mit Vodafone bringen wir Experten aus beiden Welten zusammen, der Automobilindustrie und des Telekommunikationssektors. Continental bringt das Knowhow für Telematik-Lösungen und Connectivity-Technologien im Automotive-Bereich an den Tisch, Vodafone seine Expertise zum Beispiel beim Thema 5G und bei Mobilfunktechnologien. So können wir unser Ziel der Vision Zero noch effektiver verfolgen. Smarte Kommunikationstechnologien wie 5G, Mobile Edge Computing und Cellular V2X helfen, die Straßen sicherer zu machen. Der Digitale Schutzschild ist dafür ein gutes Beispiel.


Wir sprachen eingangs auch über „Star Wars“. Es gibt viele Filme, in denen Hollywood kommende technologische Entwicklungen vorausahnte. Das sprechende Auto K.I.T.T in der Fernsehserie „Knight Rider“ hatte einen sehr smarten Sprachassistenten an Bord, James Bond ließ seinen Wagen schon autonom fahrend gegen Gangster kämpfen… Beziehen Sie tatsächlich Inspirationen aus Science Fiction?
Wer wünscht sich nicht, einen Blick in die Zukunft werfen zu können? Wir haben unsere eigenen Ansätze, wie wir vermeintliche Science-Fiction-Szenarien zu echter Science machen, zum Teil unseres realen Alltags. Ich gebe Ihnen aber insofern Recht: Letztlich sind zum Beispiel kabellose V2X-Kommunikationstechnologien nichts anderes als eine intelligente Interpretation der voraussehenden „Macht“ in „Star Wars“ oder der hellseherischen Intuition Spidermans.