Produkte für Busse und Lkw

Einblicke

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Sensor küsst Reifen

Sie sind die Exoten unter den Reifenentwicklern: die Mitarbeiter der Abteilung Systementwicklung. Sie bringen Intelligenz in die Nutzfahrzeugreifen von Continental.

In Jeans, Freizeithemden und Fleece-Jacken sitzen sie am Tisch des voll verglasten „Skyroom“ – durchs Fenster schaut man hinunter ins offene Foyer des Reifen-Forschungs- und Entwicklungszentrums von Continental in Hannover-Stöcken. Ab und zu kommen ein paar Kollegen vorbei und grüßen – man kennt sich hier. Obwohl die vier Systementwickler mit Reifen eigentlich gar nicht so viel zu tun haben. Viel spannender finden sie nämlich die Elektronik – und wie man mit ihr einem Nutzfahrzeugreifen das „Sprechen“ beibringen kann. Die Idee, einen elektronischen Sensor mit dem Reifen zu „verheiraten“, hatten sie schon vor Jahren. Aber genau wie bei einer guten Ehe, so steckt auch in der Entwicklung eines guten Produkts eine Menge harte Arbeit.

Soll der Sensor mit Batterie ausgestattet sein, oder ohne? Und wie lässt er sich so am Reifen befestigen, dass er bei der Montage nicht im Weg ist? Wie in einem Software-Startup arbeiteten Projektleiter Adrian Cyllik und seine Kollegen quasi als Sondereinheit in der Forschung und Entwicklung am ContiPressureCheck: einem System, das den Luftdruck von Lkw-Reifen elektronisch misst – und den Fahrer warnt, bevor es zu einer Panne kommt. Unzählige Ideen wurden entwickelt und wieder verworfen, zig Einzelteile rauf und runter getestet, seitenlange Spezifikationen geschrieben. Heraus kam ein komplexes Produkt mit drei Dutzend Komponenten. Jedes Teil mag nach außen hin banal erscheinen. Aber alles ist durchdacht und perfekt aufeinander abgestimmt.


Mit Headset und geteiltem Bildschirm

„Jeder hat sich um seine Komponenten gekümmert, aber die mussten natürlich auch immer ins Gesamtsystem passen“, erzählt Adrian Cyllik. Dazu war eine enge Abstimmung nötig, ob mit den Kollegen aus der eigenen Abteilung oder aus anderen Unternehmensbereichen von Continental, die viele der Komponenten zugeliefert haben: „Oft haben wir mit Headsets und geteiltem Bildschirm gearbeitet, auf dem wir die Arbeit unserer Gesprächspartner sehen konnten“, so der promovierte Maschinenbau-Ingenieur. Sogar Kommunikationsprobleme ließen sich so lösen: Als ein italienischer Zulieferer mangels Englischkenntnissen die technische Anweisung zur Softwareentwicklung aus Hannover nicht verstand, übernahm kurzerhand Siva Sankar Surisetti die Maus – und übersetzte sein Anliegen in die Computersprache. Der junge Inder hat in Deutschland Fahrzeugtechnik studiert, seine Diplomarbeit bei Continental geschrieben – und ist geblieben.

Der kollegiale Austausch funktionierte aber auch umgekehrt: Als in einigen Tests unvorhergesehene Probleme auftauchten, reisten spontan einige Kollegen aus Regensburg an: Experten der Abteilung Body & Security von Continental Automotive, die sich mit Elektroniksystemen bei Pkw beschäftigen. Mit ihnen hat Cylliks Team bei seinem Mammut-Projekt immer wieder eng zusammengearbeitet – bis hin zu einer Woche Brainstorming, als kurz vor Serienanlauf unerwartete Probleme auftauchten. Mit Erfolg: Wenig später kam das ContiPressureCheck-System auf den Markt – und wird seither in immer mehr Lkw eingebaut.


Aus der Ideenschmiede ins freie Feld

„Diese Erfahrung, sämtliche Komponenten für ein System selbst zu entwickeln, hat uns geprägt“, sagt Jörg Hanna. Der studierte Elektrotechniker ist der „Architekt“ vom ContiPressureCheck: Er hat dessen Funktionen, die in der Software hinterlegt sind, entwickelt, umgesetzt und geprüft. Hannas Mission war damit aber noch nicht erfüllt: Rund um den Globus hilft er heute den Kunden von Continental dabei, das intelligente Reifendruck-Überwachungssystem in ihre Flotten zu integrieren. Im Gegensatz zum Pkw, der schon ab Werk mit einer automatischen Luftdruckkontrolle ausgestattet ist, weiß man beim Nachrüsten von Nutzfahrzeugen nicht genau, wo die Kunden welches Bauteil platzieren werden. Denn jeder Fahrzeug-Typ ist anders. „Unsere Lösungen müssen deshalb sehr flexibel sein“, erklärt Hanna.

Seine Ideen bekommt Jörg Hanna im „freien Feld“: Vor zwei Jahren zum Beispiel besuchte er einen Betreiber von Nahverkehrs-Bussen. Der Einbau des ContiPressureCheck-Systems in diese Busse lohnte sich nicht, weil sie jeden Abend auf den Hof zurück rollten. Dann konnte man immer noch manuell den Luftdruck messen – theoretisch. Praktisch aber dauerte es dem Kunden oft zu lange: Reifenkappe abziehen, Manometer anlegen, Messwert notieren... Hanna konnte ihn vom neuen Handlesegerät von Continental überzeugen, ein Teil des ContiPressureCheck-Systems. Damit benötigte der Kunde nur noch ein Viertel der Zeit bei den Kontrollen, und er musste sich auch nicht mehr die Finger schmutzig machen.


Kleber, Magnet oder was?

Aber Jörg Hanna hatte noch eine andere, viel größere Idee: Jeder Neureifen wird nun mit einem Sensor ausgestattet; doch es wird nicht wie sonst beim ContiPressureCheck eine Empfangs- und Anzeigeeinheit am Fahrzeug installiert, sondern lediglich ein einfacher Empfänger im Hof des Betreibers. Der Kunde kann innerhalb von Sekunden bequem am PC auf die Daten zugreifen.

Gute Ideen der Systementwickler sind auch gefragt, um die bestehenden ContiPressureCheck-Komponenten weiter zu verbessern. „Die Installation muss so einfach wie möglich sein, um von vornherein Fehlerquellen auszuschließen“, weiß Andreas Scher. Der Fahrzeugbauer ist der Vierte im Bunde der Abteilung Systementwicklung, seit 20 Jahren arbeitet er bei Continental. Er nennt ein Beispiel für Optimierungspotential: „Im mitgelieferten Handbuch wird erklärt, wie der Gummicontainer für den Sensor und der Reifen gereinigt werden müssen, bevor man sie mit Kleber verbindet.“ Das ist manchen Kunden zu kompliziert. Scher sucht nach einer einfacheren Lösung: Vielleicht ein Magnet, der sich an der Karkasse festhält? Oder ein Schaumstoffhalter, der sich im Reifen fest verspannt? Andreas Scher und seine Kollegen haben viele Ideen. Die perfekte Lösung ist nur eine Frage der Zeit.

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