# Reifenpflege und -wartung
Radschrauben nachziehen
Radschrauben auf den korrekten Sitz überprüfen
Nach dem Radwechsel – zum Beispiel, wenn Sie von Sommer- auf Winterreifen wechseln oder umgekehrt – kann es für die Fahrsicherheit sinnvoll sein, dass Sie die Radmuttern nach den ersten 50 gefahrenen Kilometern nachziehen.
Warum sollten Sie das als Autofahrer tun? Vor allem aufgrund der Fahrsicherheit. Radmuttern (auch Radschrauben genannt) fixieren das Rad an der Radnabe, was sie zu einem wesentlichen Bestandteil des Fahrzeugs macht. Radschrauben können jedoch nicht die vorgesehene Funktion erfüllen, wenn sie nicht ordnungsgemäß angezogen sind.
Was bedeutet es, Räder nachzuziehen?
Nachziehen bedeutet, die Radmuttern nach einer gewissen Fahrzeit erneut zu überprüfen und sicherzustellen, dass sie mit dem richtigen Drehmoment angezogen sind. Wenn neue Räder oder Reifen montiert werden, werden die Muttern zunächst korrekt angezogen, doch durch normales Fahren kann es passieren, dass sie sich leicht setzen, während sich das Rad richtig auf der Nabe positioniert. Durch dieses Setzen kann die Klemmkraft der Muttern nachlassen, sodass sie nicht mehr das vorgesehene Drehmoment halten.
Das Nachziehen stellt die vom Hersteller empfohlene Festigkeit wieder her, damit das Rad sicher befestigt bleibt. Es ist eine vorbeugende Sicherheitsmaßnahme, die hilft, Vibrationen, ungleichmäßige Belastung oder das Risiko eines sich lösenden Rads zu vermeiden. Dadurch schützt man die Radmontage, erhält ein sicheres Fahrverhalten und unterstützt die langfristige Leistungsfähigkeit von Rädern und Reifen.
Warum verlieren Radmuttern mit der Zeit Drehmoment?
Typische Belastungen sind das Tragen des Fahrzeuggewichts, die rotierenden Kräfte beim Fahren, wiederholte Erwärmungs- und Abkühlungszyklen sowie Stöße durch Unebenheiten der Straße. Diese Einwirkungen können dazu führen, dass sich die Radmuttern minimal setzen, was sowohl ein Nachziehen als auch ein Lösen zur Folge haben kann.
Auch Schmutz, Sand, Rost oder Fremdpartikel zwischen den Kontaktflächen – etwa im Gewinde der Mutter oder zwischen Mutter und Rad – können beim ersten Anziehen sogenannte Scheindrehmomente verursachen. Dabei wird zwar Widerstand überwunden, die Kraft wird jedoch nicht vollständig in Klemmkraft umgesetzt.
Aus diesen Gründen bitten viele Werkstätten und Reifenhändler ihre Kunden, nach kurzer Zeit zurückzukommen, um die Räder nachziehen zu lassen. Dieser schnelle Vorgang ist meist kostenlos und umfasst die Kontrolle jeder einzelnen Radmutter, um festzustellen, ob sie zu fest oder zu locker sitzt.
Anzeichen für lockere Radmuttern
Lockere Radmuttern führen häufig dazu, dass das Rad wackelt oder vibriert, besonders bei höheren Geschwindigkeiten oder beim Beschleunigen und Bremsen. Zusätzlich können Vibrationen über das Lenkrad, den Sitz oder den Fahrzeugboden spürbar werden. Mit der Zeit belastet das Lösen die übrigen Radbolzen stärker. Locker werdende Radschrauben können sich im Schubbetrieb durch ein klackerndes Geräusch ankündigen.
Wann lockere Radmuttern typischerweise auftreten
Lockere Radmuttern treten am häufigsten nach einer frischen Radmontage, einem Reifenwechsel oder einer Rotation auf, wenn die Muttern nicht korrekt mit dem richtigen Drehmoment angezogen wurden oder das Rad nicht sauber aufgesessen ist. Sie können sich auch schleichend lösen, wenn man häufig auf schlechten Straßen, unebenen Fahrbahnen oder durch Schlaglöcher fährt, da die entstehenden Vibrationen die Muttern lockern. Eine weitere häufige Ursache ist eine unsachgemäße Montage, bei der das anfängliche Drehmoment zu gering oder ungleichmäßig war. Radschrauben unbedingt per Hand ansetzen, um das Gewinde nicht zu beschädigen im Falle, dass sich die Schraube verkantet.
Was passiert, wenn Räder nicht nachgezogen werden?
Nachdem die Räder montiert wurden und das Fahrzeug eine erste Strecke zurückgelegt hat, wird von Herstellern und Servicefachleuten häufig eine Nachziehkontrolle empfohlen. Während der ersten 50–100 km Fahrbetrieb können normale Vibrationen, Belastungskräfte und thermische Zyklen zu einem leichten Setzen der Rad-Radnaben-Verbindung führen, wodurch sich die anfängliche Klemmkraft verringern kann. Wird diese Nachkontrolle ausgelassen, kann sich unter bestimmten Bedingungen langfristig das Risiko einer ungleichmäßigen Lastverteilung und erhöhter mechanischer Belastung erhöhen.
Sicherheitsrisiken für Fahrer
Wenn das Rad beschädigt oder verformt ist, kann dies die Achsgeometrie des Fahrzeugs beeinträchtigen, was zu ungleichmäßigem Reifenverschleiß und einer spürbaren Verschlechterung des Fahrverhaltens führt. Eine solche Fehlstellung kann dazu führen, dass das Fahrzeug zu einer Seite zieht, sich weniger stabil anfühlt oder häufiger eine Achsvermessung erforderlich ist. In schweren Fällen können beschädigte Radbolzen oder ein verzogenes Rad die allgemeine Fahrsicherheit beeinträchtigen und das Risiko eines Radversagens während der Fahrt erhöhen.
Mögliche Schäden an Rad und Fahrzeug
Bei gelockerten Radmuttern besteht zudem ein geringes Risiko, dass sich das Rad während der Fahrt lösen kann. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist sehr gering – tritt es jedoch ein, wären sowohl Ihre Sicherheit als auch die der anderen Verkehrsteilnehmer gefährdet. Das Fahren mit einem nicht vollständig festgezogenen Rad kann außerdem weitere Schäden an Bauteilen wie Radnabe, Radbolzen, Bremsen oder Fahrwerk verursachen. Dies kann Reparaturen nach sich ziehen, die deutlich teurer sind als ein einfaches Nachziehen der Räder.
Folgen von Über- und Unteranziehung
Sind die Radmuttern zu fest angezogen, kann dies schwerwiegende Probleme verursachen, etwa das Beschädigen der Gewinde oder das Überdehnen der Radbolzen. Außerdem können Bremstrommeln, Bremsscheiben oder die Radnabe verzogen werden. Zusätzlich belastet ein zu hohes Anzugsdrehmoment die Radbolzen unnötig, was sie mit der Zeit schwächen oder sogar zum Abreißen führen kann. Übermäßige Kraft kann auch das Rad selbst verformen und leichte Verbiegungen oder Unwuchten verursachen, die den ruhigen Lauf beeinträchtigen.
Umgekehrt können zu locker angezogene Radmuttern sich im Laufe der Zeit weiter lösen, insbesondere bei Fahrten auf schlechten Straßen oder unter hoher Belastung. Diese Lockerung kann dazu führen, dass das Rad eiert oder vibriert, den Verschleiß von Radbolzen und Nabenbauteilen beschleunigt und im schlimmsten Fall dazu führt, dass sich das Rad während der Fahrt vom Fahrzeug löst.
Wann sollten Radmuttern nachgezogen werden?
Das Anzugsdrehmoment ist die Maßeinheit für die Drehwirkung auf die Radmuttern. Beim Reifen- bzw. Radwechsel sorgt der Mechaniker dafür, dass jede Radmutter gemäß den Vorgaben des Fahrzeugherstellers angezogen wird. Ein Nachziehen der Radmuttern ist jedoch notwendig.
Dies liegt daran, dass die Radmuttern typischen Belastungen und Kräften ausgesetzt sind, die mit dem täglichen Betrieb des Fahrzeugs einhergehen.
Zu diesen Belastungen gehören zum Beispiel das Gewicht des Fahrzeugs, die Drehbewegung des Reifens, das ständige Aufwärmen und Abkühlen sowie Stöße aufgrund unebener Fahrbahnen. Diese Belastungen können sich darauf auswirken, wie fest die Radmuttern sitzen, was zur Folge haben kann, dass sie sich weiter festziehen oder lockern.
Befindet sich beim Reifen- bzw. Radwechsel Schmutz, Sand, Rost oder Kies zwischen den aufeinanderliegenden Oberflächen, zum Beispiel im Gewinde der Radmuttern oder zwischen den Radmuttern und den Radbolzen, dann kann das Anzugsdrehmoment verfälscht sein. Die aufgebrachte Kraft überwindet zwar den Reibungswiderstand, erreicht aber nicht die Klemmkraft.
Aus diesem Grund empfehlen viele Werkstätten und Reifenhändler den Fahrzeughaltern, am nächsten Werktag noch einmal vorbeizuschauen, um die Radmuttern nachziehen zu lassen. Dies wird meistens als kostenloser Service angeboten, da es keinen großen Aufwand erfordert. Jede Radmutter wird lediglich darauf überprüft, ob sie zu fest oder zu locker sitzt.
Wurden die Radmuttern zu fest angezogen, kann dies schlimme Folgen haben, das Gewinde kann zum Beispiel ausreißen oder die Radbolzen können sich ausdehnen. Außerdem könnten sie die Bremstrommeln oder -scheiben und die Radnabe verziehen. Lockere Radmuttern hingegen könnten zur Folge haben, dass sich das Rad während der Fahrt löst. Dieses Risiko ist sehr gering, doch sollte es dazu kommen, ist Ihre Sicherheit und die der anderen Verkehrsteilnehmer gefährdet.
Radmuttern richtig nachziehen – so geht’s
Bei jedem Rad- bzw. Reifenwechsel muss derjenige, der sie wechselt, dafür sorgen, dass die Radmuttern mit dem vom Hersteller empfohlenen Anzugsdrehmoment angezogen werden. Diese Angaben stehen im Fahrzeughandbuch und in den Zulassungspapieren.
Nach etwa 50 gefahrenen Kilometern können die Radmuttern geprüft und gegebenenfalls mit dem ursprünglichen Anzugsdrehmoment nachgezogen werden.
Das Anzugsdrehmoment der Radmuttern kann von Fahrzeug zu Fahrzeug variieren. Verschiedene Fahrzeugmodelle erfordern unterschiedliche Anzugsdrehmomente, mit denen die Radmuttern anzuziehen sind, um Unfälle und Schäden zu vermeiden.
Korrekte Anzugsreihenfolge
Für das Lösen oder Festziehen der Radmuttern ist ein besonderes Werkzeug erforderlich: der Drehmomentschlüssel.
Der Mechaniker stellt den Drehmomentschlüssel zunächst auf die Hälfte des erforderlichen Anzugsdrehmoments ein und zieht jede Radmutter mit diesem Anzugsdrehmoment an. Danach wird das korrekte Anzugsdrehmoment eingestellt, mit dem alle Radmuttern erneut angezogen werden.
Die Radmuttern werden darüber hinaus in einer bestimmten Reihenfolge angezogen, um das richtige Anzugsdrehmoment zu erhalten. Hat Ihr Fahrzeug Räder mit fünf Radmuttern, müssen die Radmuttern in einem sternförmigen Muster angezogen werden. Haben Ihre Reifen nur vier Radmuttern, werden diese über Kreuz angezogen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Wenn Sie Ihre Räder selbst nachziehen möchten, befolgen Sie diese Schritte:
- Parken Sie das Fahrzeug auf einer ebenen Fläche und ziehen Sie die Feststellbremse an.
- Verwenden Sie zum Anziehen der Radmuttern unbedingt einen Drehmomentschlüssel.
- Ziehen Sie jede Radmutter über Kreuz (diagonal) an und drehen Sie den Drehmomentschlüssel dabei im Uhrzeigersinn, da Radmuttern in diese Richtung festgezogen werden.
- Stellen Sie den Drehmomentschlüssel zunächst auf etwa die Hälfte des vorgeschriebenen Drehmoments ein und ziehen Sie alle Radmuttern in der richtigen Reihenfolge an. Anschließend stellen Sie den Drehmomentschlüssel auf den vollen Drehmomentwert ein und ziehen alle Muttern erneut nach.
Es ist wichtig, stets den im Fahrzeughandbuch angegebenen Drehmomentwert zu verwenden, da das korrekte Anzugsmoment unter anderem vom Radmaterial und vom Durchmesser der Radbolzen abhängt.
Drehmomentwerte je nach Fahrzeug
Das korrekte Anzugsdrehmoment für die Räder Ihres Fahrzeugs ist in der Bedienungsanleitung angegeben. Es variiert je nach Fahrzeugmodell, Radgröße, Radtyp (Aluminium oder Stahl) und Anzahl der Radmuttern.
Wenn Sie andere Räder montieren, finden Sie die jeweils gültigen Drehmomentwerte in den Zertifizierungs- bzw. technischen Unterlagen des Rads.
Werkzeuge für das korrekte Nachziehen der Räder
- Drehmomentschlüssel – zum Anziehen der Radmuttern mit dem vom Hersteller vorgeschriebenen Drehmoment
- Wagenheber und Unterstellböcke – zum sicheren Anheben und Abstützen des Fahrzeugs
- Radkreuz oder Brecheisen – zum ersten Lösen der Radmuttern vor dem endgültigen Anziehen mit Drehmoment
- Optional: Handschuhe und Schutzbrille – zum Schutz während der Arbeit
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