Ärger über Lkw im Dorf? „Wir fahren auch lieber drumherum, wenn es geht“

Wir haben mit Lkw-Fahrern über das Thema gesprochen

Truck on country road © Adobe Stock | Armands photography

Im besten Fall sind Lkw in erster Linie auf der Autobahn unterwegs, doch manchmal sind Umwege über Dörfer nicht zu vermeiden. Manche sehen das eher kritisch – dabei freuen sich auch Truckerinnen und Trucker nicht unbedingt über den Weg durchs Dorf.

Manche Menschen sehen das Thema „Lkw im Dorf“ eher ablehnend. Dafür gibt es einige Gründe, angefangen von Themen wie Lärm und Ruhestörung über das Thema Sicherheit bis hin zu Abgasen. Für manche gehören Lkw einfach nicht auf Dorfstraßen.

Das bekommen Lkw-Fahrer in ihrem Alltag manchmal auch zu spüren: „Ich hatte das schon, dass dir dann Mittelfinger gezeigt werden, wenn du vorbeifährst“, erzählt etwa unser Unermüdlicher Markus. Auch Truckerin Tinka berichtet: „Mir hat letztens einfach jemand seinen Regenschirm vor den Lkw geschmissen“.

Und das räumt Markus ein: „Ich kann die Kritik zum Teil nachvollziehen. Es werden ja auch immer mehr Lkw, ist ja ganz klar.“ 

Tinka stimmt zu: „Wenn ich mit dem Lkw durch ein Industriegebiet fahre, wirkt der Lkw ja viel kleiner, als wenn ich mit dem Lkw durch ein kleines Dorf fahre. Da wird ja in der Wohnung auf einmal kurz alles dunkel, wenn man vor dem Fenster langfährt.“ Dazu kommen Fahrer, die sich dann auch noch nicht an die Regeln halten. Aber: Das sind eben nicht alle. „Du hast halt immer ein paar Deppen dabei und von denen wird dann auf alle geschlossen. Das sind Idioten, die zu schnell durchfahren. Das sind auch so Leute, wegen denen wir dann plötzlich nicht mehr beim Kunden duschen dürfen.“  

Truck on country road © Adobe Stock | candy1812

Insofern können Markus und Tinka durchaus nachvollziehen, woher der Ärger kommt. Aber: Auch Leute, die versuchen, so verträglich wie irgend möglich durch das Dorf zu kommen, sind dann durch Pöbelei vom Straßenrand oder Schilder, die verdeutlichen, dass Lkw-Fahrer nicht willkommen sind, betroffen.

Dabei würden Trucker auch lieber woanders lang: „Also wir vermeiden das schon. Wir rollen schon lieber über die Autobahn, aber es lässt sich halt eben auch nicht immer vermeiden“, sagt Markus. „Wir machen das ja nicht, um die Leute zu ärgern“, stimmt Tinka zu, sondern eben durch Einflüsse wie Baustellen, fehlende Wege oder Zeitdruck bedingt.

Truck on country road © Adobe Stock | Yuri Bizgaimer

Wie ist die Situation für Lkw-Fahrer im Dorf?

Für Truckerinnen und Trucker ist der Weg über die Dörfer oftmals auch nicht gerade die Ideallösung: „Ich habe grundsätzlich kein Problem mit der Landstraße, wenn sie einigermaßen ausgebaut ist. Aber es sind teilweise wirklich Kreisstraßen dabei, die normalerweise für 7,5 Tonnen gesperrt sind, und dann wird da eine Umleitung hingelegt, bei der, wenn sich zwei Lkw begegnen, einer fast in den Graben fahren muss.“

In Dörfern selbst ist es auch nicht unbedingt praktisch: „Da gibt es 90-Grad-Kurven oder Häuser bis an den Straßenrand, da kannst du nur hoffen, dass dir keiner entgegenkommt“, erklärt Tinka: „Du fährst zwar mit diesem Riesending da rein, fühlst dich aber so klein mit Hut, weil du ja weißt, dass es eigentlich Mist ist, wenn du im Lkw da durchfährst. Für die Anwohner, für die Eltern, wenn die Kinder da an der Straße spielen und für einen selber ist es ja auch klemmig. Da bist du auch froh, wenn du da durch bist.“

Tinka betont, dass gute Fahrerinnen und Fahrer dem auch Sorge tragen: „Man kann sich ein Bild von dem Ort machen, und wenn da eine Schule oder ein schmaler Gehweg ist oder die Häuser sehr nah an der Straße sind, dann sagt ja eigentlich der normale Menschenverstand schon, dass man da halt, selbst wenn da 50 ist, eher mit 30 anfährt.“

Dennoch: Dass auch Lkw-Fahrerinnen und Fahrer sich da durchaus Gedanken machen, wird von Kritikern manchmal übersehen. „Ich glaube, viele denken, du hockst hier drin, hast ein Bein noch ins Fenster gelegt und säufst nebenbei noch einen Kaffee, tippst kurz auf dem Handy rum und dir ist das total Latte, wenn du durch den Ort da fährst. Aber so ist es wirklich gar nicht“, betont Tinka.

In dem Sinne ist es hier vielleicht ein guter Ansatz, Verständnis füreinander zu zeigen und aufeinander Acht zu geben - sowohl hinter dem Steuer als auch am Straßenrand. 

Das Neueste vom Blog