„Wenn du rückwärts fahren musstest, hast du einen Fahrgast rausgeschickt“: So fuhr Busfahrer Mirko vor 30 Jahren in seinem ersten Wagen

Wie groß ist der Unterschied zu heute?

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Busfahrer Mirko fährt nicht nur für Hannover 96 den Mannschaftsbus, sondern auch reguläre Reisebusse. Wir reisen gemeinsam in die Vergangenheit.

Mannschaftsbusfahrer Mirko ist topmodern unterwegs. Kameras statt Spiegel, komfortable Sitzkombinationen für die Gäste, Assistenzsysteme – als wir kürzlich seinen neuen Bus mit Mirko abholten, strahlte der Busfahrer vor Stolz über den neuen Wagen.

Auch zum Start seiner Karriere war Mirko topmodern unterwegs. Nur sah „topmodern“ damals eben noch anders aus: „Das wird jetzt etwa 30 Jahre her sein. Das war ein weißer Setra SHD, schönes Auto eigentlich“, erinnert sich Mirko an seinen ersten Bus.

Im Vergleich zu heute, so Mirko, war die Technik zwar einfacher, doch es hat definitiv gereicht, um viele Gäste von Land zu Land zu fahren: „Das war ziemlich cool. Ein zuverlässiges Fahrzeug, ausgestattet mit Küche, Würstchenkocher, Kaffeemaschine, zwei Kühlschränke, 45 Plätze“, fasst Mirko zusammen: „Der war ja noch nicht besonders ausgestattet, sondern ein ganz normaler weißer Reisebus. Der hat dann irgendwann mal blaue Vögel bekommen, weil unsere damalige Geschäftsleitung meinte, er sollte ein neues Outfit bekommen. Da haben sie blaue Vögel auf die Busse geklebt und damit bin ich durch ganz Europa gefahren. Das war ziemlich cool.“

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Ob der Wagen damals schon Automatik hatte, oder ob er eine Gangschaltung nutzte, weiß Mirko nicht mehr so genau. Aber ein Top-Feature für den Fahrer hatte der Bus auf jeden Fall an Bord: „Der hatte ein eingebautes Automobiltelefon, also noch so richtig mit Hörer. Das konnte man nicht mitnehmen, das war fest eingebaut. Und erst ein Jahr später oder so gab es dann Geräte, die konnte man in eine Halterung stecken und dann trotzdem auch mit rausnehmen.“

Gerade im internationalen Verkehr war das super für Mirko: „Damals war Telefonieren noch teuer und man musste für jede SMS bezahlen. Flatrates gab es ja noch nicht.“

Was das Thema Sicherheit angeht, konnte man sich auch nicht groß auf automatische Assistenten verlassen: „Da musste ich alles selbst schauen. Ich glaube, der hatte noch nicht mal eine Rückfahrkamera. Das heißt, wenn du irgendwo rückwärts fahren musstest, hast du immer einen Fahrgast rausgeschickt und hast den schauen lassen, dass du nicht irgendwo gegenfährst.“

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An seine erste Tour mit dem Wagen erinnert sich Mirko auch noch lebhaft: „Das war eine Fahrt nach Frankreich, ‚auf den Spuren der Impressionisten‘. Da habe ich einen Kunstprofessor mitgehabt und der wiederum hatte so eine Schar älterer Damen und Herren dabei, die sehr kunstinteressiert waren.“

Es ging von Museum zu Museum, von einem impressionistischen Kunststück zum nächsten: „Das war ziemlich beeindruckend für mich als junger Mensch. Aber auch der Verkehr in Paris, das war eine ganz neue Welt.“

Unterwegs gab es Unterhaltung vom Band: „Musik hatte der Wagen, in Form von Kassetten und Radio. Die Musik war meistens für die Generation, die ich gefahren habe, also eher so Schlager und Tanzmusik“, erinnert sich Mirko: „Die habe ich übrigens von einem Kollegen geerbt, der in den Ruhestand ging. Da hat er mir seine Kassetten überlassen.“

Und ganz wichtig: Die Klimaanlage hatte er „Gott sei Dank“ auch.

Heute sind Busse natürlich ganz anders ausgestattet. Fortschrittliche Technik sorgt für mehr Sicherheit. Wie Mirkos aktuelles Gefährt aussieht, könnt ihr euch hier anschauen:

Auch Mirko meint: „Ja, die Technik hat sich in den letzten 30 Jahren so verändert, das kann man im Prinzip nicht mehr vergleichen. Wer heute einen 30 Jahre alten Reisebus fährt, der fährt ja schon Oldtimer.“

Lust auf eine Tour mit so einem Wagen hätte er aber: „Auf jeden Fall. Leute, die leidenschaftlich Bus oder Lkw fahren, die haben ja quasi Diesel im Blut. Das gehört einfach dazu, dass man scharf darauf ist, nochmal so ein altes Fahrzeug fahren zu dürfen.“

Vielleicht ergibt sich die Gelegenheit ja nochmal! Weitere Geschichten und Infos rund um Bus und Lkw gibt’s wie immer hier auf dem Blog:

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