Migräne auf Tour: Wenn Migräne unterwegs ausbremst

Wie Markus unterwegs mit Migräne umgeht

truck driver has a migraine © Adobe Stock | Serhii

In Deutschland sind rund 18 Millionen Menschen von Migräne betroffen. Die Erkrankung zeigt sich hauptsächlich bei Erwachsenen – häufiger bei Frauen, aber auch Männer sind betroffen. 

Auch, wenn es sich um eine Art Volkskrankheit handelt, herrscht große Unwissenheit zu dem Thema. Außenstehende stempeln Migräne oft als Ausrede ab und selbst Patienten vermuten andere Hintergründe für ihre Kopfschmerzen. Einen Arzt suchen wenige auf, sie verlassen sich lieber auf herkömmliche Methoden gegen Kopfschmerzen.

Bei Migräne handelt es sich aber nicht einfach nur um Kopfschmerzen. Eine Migräneattacke kann einen Menschen tagelang schwer beeinträchtigen und normales Leben und Arbeiten völlig unmöglich machen. Das führt oft zu Arbeitsausfällen, der Betroffenen. Aber im Lkw auf Tour ist das aufgrund des engen Zeitplans und der weiten Entfernung von zuhause gar nicht so einfach zu managen. 

Migräneattacken sind nicht planbar. Sie kommen oft zu den unpassendsten Zeitpunkten, je nach Verlauf oft auch ohne Vorankündigung und können bis zu drei Tage andauern. Symptome wie heftige Kopfschmerzen, die sich bei Bewegung verschlimmern, Übelkeit, Erbrechen, Empfindlichkeit auf Licht, Geräusche und Gerüche und Seh- und Sprachstörungen machen eine Weiterfahrt vorerst unmöglich. 

Markus Migräne-Alltag

Auch unser Unermüdlicher Markus leidet unter Migräne. Bei ihm kündigt sich eine Attacke oft so an, dass ihm ein Schauer durch den Körper läuft, als ob Hände, Arme oder Beine einschlafen. Auch Flimmern vor den Augen und extreme Lichtempfindlichkeit gehören zum Programm. „Wenn ich unterwegs bin im Lkw, dann fahr ich kurz ran, um mich oder andere nicht zu gefährden und mache dann wirklich mal zehn Minuten oder eine Viertelstunde die Augen zu“, erzählt Markus. Die Klimaanlage dreht er in dieser kurzen Ruhepause auf volle Pulle. Um es im Lkw zusätzlich halbwegs dunkel zu kriegen, zieht er die Gardinen zu und eine Mütze über das Gesicht. 

Markus ist durch die Migräne besonders lichtempfindlich, auf Geräusche hingegen reagiert er weniger. Besonders im Sommer macht ihm die kräftige Sonne zu schaffen, weshalb er oft eine Sonnenbrille trägt. „Nicht, um mein Gegenüber zu ärgern oder weil ich cool rüberkommen will, sondern ganz einfach, um meine Augen und mich zu schützen.“

Aber nicht nur das Licht stellt im Sommer für viele Migräne-Betroffene ein Problem dar. Auch das schwüle Wetter mit Temperaturen über 30 Grad sind für viele ein Trigger. Besonders die Temperaturschwankungen und Wetterumschwünge machen Markus zu schaffen. Auf seiner Route fährt er durch verschiedene Gebiete mit unterschiedlichsten Wetterlagen. Erst neulich startete er in Süddeutschland bei 40 Grad, erlebte bei Stuttgart einen enormen Temperatureinbruch auf 18 Grad und kam eine Stunde später wieder bei 36 Grad an.

Die Migräne folgt bei Markus keinem festen Rhythmus. Wenn er schätzen müsste, hat er bestimmt zweimal im Monat mit einer Attacke zu kämpfen. „Wenn nicht mehr. Gerade in diesem Sommer, wie er jetzt ist.“  

truck driver is asleep © Adobe Stock | M. Perfectti

Krankheit im Lkw – wie ist das vereinbar?

Das Problem: Als Lkw-Fahrer ist man im Fall einer plötzlichen Erkrankung oft weit von zuhause entfernt. Eine längere Erholungspause, um wieder zu Kräften zu kommen, ist oft nicht drin, denn der Kunde wartet auf die Ware. Kollegen können aufgrund der weiten Entfernung auch schlecht einspringen. „Heute ist alles just in time getaktet, bis auf die letzte Minute“, erklärt Markus.  

Um den Beruf des LKW-Fahrers ausführen zu können, muss man hart im Nehmen sein. „Es ist ein schmaler Grat von Vernunft und Pflichtbewusstsein. Ein sehr schmaler Grat“, findet Markus. Viele handeln nach dem Motto „Wir probieren das mal“ und versuchen ihre Tour zu Ende zu bringen und ihre Liefertermine einzuhalten. Rechtzeitig Bescheid zu sagen, dass es nicht mehr weitergeht, ist schwer planbar. „Es ist natürlich auch schwierig freitags schon zu sagen: Sorry, ich kann am Montag nicht fahren. Ich weiß nicht, wie es mir sonntags geht und in der Regel hast du ja auch immer Termine“, berichtet Markus. 

truck drivers exchange trucks © Adobe Stock | Tomasz Zajda

Welche Möglichkeiten gibt es bei einer Erkrankung im Lkw?

Dennoch gibt es Möglichkeiten für den Ernstfall. Der gemeinnützige Verein DocStop für Europäer e. V. hat ein Netzwerk von Anlaufstellen aufgebaut, die sich in der Nähe von Autobahnen befinden und LKW-Fahrern bevorzugt Termine gewähren, um eine ärztliche Versorgung während der ganzen Route sicher zu stellen. Die Arztpraxen in Deutschland, Österreich, Frankreich und Dänemark lassen sich über die kostenlose DocStop Hotline, die Webseite des Vereins und verschiedenste Fahrer-Apps finden.

Markus schildert noch eine andere Möglichkeit: „Im Idealfall ist das so, wenn du im Norden von Deutschland unterwegs bist und ein Kollege da auch irgendwie unterwegs ist, der sich dann auf dem Rückweg befindet. Dass man hier Begegnungsverkehr macht und du den leeren Trailer übernimmst.“ Während der gesunde Kollege dann mit dem beladenen Trailer die eigentliche Tour beendet, kann man selbst die kurze Strecke mit dem leeren Trailer nach Hause fahren oder ohne Zeitdruck noch ein paar Stunden stehen bleiben.

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