Markus‘ US-Truck hat den Wow-Effekt - Warum ist der auf deutschen Straßen so selten?

„Wow, guck mal da!“

US-Truck

So sieht die Reaktion gerne mal aus, wenn Markus Trojak mit seinem Kenworth W990 an einem vorbeifährt. Der „Ami“, wie Markus ihn gerne nennt, ist ein ganz besonderes Fahrzeug.

„Das ist ein Dreiachser, knapp zehn Meter, der Motorwagen lang, mit einem reinen Sechszylinder drin und riesiger Riesenschlafkabine, wo man, wenn man ganz leise ist, hier und da auch schon mal ein Echo hört“, fasst Markus die technischen Details zusammen. Einfacher ist es, wenn Markus ihn ganz einfach so nennt, wie er ihn wirklich sieht: „Ein Traumwagen.“

Für Markus war es tatsächlich ein Traum, der wahr wurde, als der Kenworth von der Spedition SKS bestellt wurde: „Da habe ich als ganz kleines Kind schon von geträumt. In Deutschland ist die Serie ‚Abenteuer der Landstraße‘ nicht so bekannt, aber das war in den 70er Jahren eine amerikanische Serie, in der zwei Jungs auf dem grünen Kenworth unterwegs waren. Wegen der Serie habe ich immer eine Affinität für amerikanische Autos und Lkws gehabt. Und deswegen war das immer ein Traum, so ein Fahrzeug auch mal zu fahren.“

Erstmals erfüllte sich dieser Wunsch schon vor 20 Jahren - ein bisschen zumindest: „Da hatten wir schon mal das große Glück, einen amerikanischen Lkw zu haben, auch einen Kenworth. Das war praktisch der Urgroßvater von dem jetzigen. Damals habe ich den zweiten Mann machen dürfen und tatsächlich auch zwei oder dreimal fahren. Das war das Größte, als ganz junger Bursch mit Mitte 20 so ein Fahrzeug zu fahren. Und da habe ich mir geschworen, sowas will ich auch mal haben, in Eigenverantwortung.“

Ein seltenes Fahrzeug in Deutschland

Der Wagen macht wirklich Eindruck. Dass man sowas nicht allzu oft auf deutschen Straßen sieht, hat aber einen ganz praktischen Grund: „Das Problem ist, dass wir in Deutschland eine Fahrzeuglängenbeschränkung haben, die bei einem Sattelzug 16,50 Meter beträgt. Als Lang-Lkw sind amerikanische Fahrzeuge nicht zuzulassen“, erklärt Markus.

„Bei deutschen Fahrzeugen haben wir in der Regel einen 13,60 Meter langen Trailer am Sattelzug dran. Hier haben wir nur 10,80 Meter, also verlieren wir da gute drei Meter Ladefläche. Finanziell ist das immer so eine Nummer, wenn du bei jeder Ladung drei Lademeter verlierst. Deswegen gibt es da relativ wenige von.“

US-Truck

Der Hollywoodstar als Showtruck

Markus‘ Fahrzeug ist zum Glück nicht nur als Transportfahrzeug eingeplant, sondern vor allem, um das zu tun, was es am besten kann: Große Augen verursachen. Der Wagen wird für Events eingesetzt, um die Blicke des Publikums auf sich zu ziehen. Das hat sogar schon in einer waschechten Kinoproduktion funktioniert.

„Dieser Wagen ist der Truck aus Liam Neesons Kinofilm ‚The Ice Road‘, das war der Rote. Wir haben ihn schwarz überlackiert, unten drunter haben wir ihn aber Rot gelassen. Und wir haben auch alle anderen Teile mit der Originalpatina drangelassen, sprich, mit den Kratzspuren von den Spikes auf den Trittbrettern, oder Kratzern, die bei Dreharbeiten im Innenraum hinterlassen wurden. Das haben wir alles drin gelassen.“

US-Truck

Kein Anfängerwagen

Rein fahrtechnisch sollte man sich auf eine Herausforderung einstellen, wenn man diesen Wagen übernimmt: „Du musst einen komplett anderen Strich fahren und du musst viel mehr gucken, viel mehr aufpassen“, erklärt Markus.

Zum einen sei der Wagen rein in Sachen „Technische Helferlein“ noch nicht so weit, zudem sind die Dimensionen ganz andere: „Der Motorwagen ist ungefähr 9,80 Meter lang, wir fahren drei Achsen. Da brauchst du schon mal ein bisschen mehr Platz. Irgendjemand hat mal gesagt, der hätte einen Wendekreis wie ein Flugzeugträger. Ganz so schlimm ist es nicht, aber du musst halt eben an jeder Kreuzung aufpassen. Du hast auch zwei Meter Motorhaube vor dir und musst gut wissen, wo das Auto aufhört, und wo die Ampel anfängt - sonst könnte das schon mal schlecht ausgehen.“

Deshalb wurde nachgerüstet: „Wir haben an der Nase vorne eine Kamera installieren lassen, am rechten Kotflügel eine, und am Auflieger ist auch noch eine Kamera, die man alle nutzen kann.“

In Sachen Fahrt muss man ebenfalls was draufhaben: „Wir fahren ja heute alle vollautomatisiert, aber hier fährst du noch Gangschaltung. Beim Aufschalten ist die Drehzahl relativ einfach zu treffen, beim Runterschalten müssen wir aber die zwei Zahnräder unten auf die gleiche Geschwindigkeit bringen und ziemlich heftigen Gasstoß geben, damit der Gang reinfluppt“, fachsimpelt Markus: „Und das lernt man nicht vom Zusehen, sondern das muss man einfach machen. Selbst bei uns Älteren, die schon länger damit unterwegs sind, ist auch immer mal wieder ein Kratzen dabei. Ist komischerweise jeden Tag anders, kommt ein bisschen auf die Temperatur drauf an und auf die äußeren Begebenheiten.“ Einen Retarder hat das Auto auch nicht, sondern nur eine dreistufige Motorbremse.

Es ist ein besonderes Fahrzeug, das Markus immer wieder gerne fährt. So auch kürzlich zu einer Continental-Veranstaltung: „Da habe ich etwas länger gebraucht, wegen Stau“, so Markus: „Aber ist ja eigentlich super. So konnten sich mehr Leute den Wagen anschauen!“

Markus ist bekannt dafür, eine große Leidenschaft für seinen Beruf mitzubringen. Die entstand schon in ganz jungen Jahren und wurde ihm quasi in die Wiege gelegt. Mehr darüber erfahrt ihr hier.

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