Lkw-Fahrerin Helga liest aus ihrem Leben: „Damals waren Frauen nicht sehr hinterm Steuer gefragt“
Heute berichtet sie aus ihrem Buch
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Auf dem Weg von Frankreich nach Belgien erreichen wir Helga Dröscher zum Telefon-Interview. Die Truckerin hat gerade eine große Ladung Blech geladen, die nach Österreich transportiert werden möchte. Kein Problem für die erfahrene Truckerin!
Schließlich ist Helga seit gut 30 Jahren „auf Achse“. Was sie in diesen drei Dekaden erlebt hat, würde wohl mehrere Bücher füllen. Und eines hat sie tatsächlich schon komplettiert: Seit „Ein Leben auf Achse“, Helgas Erstlingsbuch, erschienen ist, hat sie plötzlich eine neue Art von Terminen im Kalender stehen: Lesungen.
Immer wieder besucht Helga verschiedene Locations, um dort interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern einige Zeilen aus ihrem Leben vorzulesen. Bei ihrer letzten Lesung lauschten 60 Leute, um ihre Geschichten zu hören. Und auch die erste war schon gut besucht!
„Beim ersten Mal war ich zu 100 % aufgeregt“
Aller Anfang ist schwer, aber vor allem ist aller Anfang aufregend. Zumindest war es bei Helgas erster Lesung der Fall: „Meine erste Lesung wollte ich in meiner Gegend, irgendwo in der Nähe machen. Und ich wollte es unbedingt richtig machen, auch wenn es eigentlich kein Richtig und Falsch dabei gibt“, erinnert sich Helga.
„Wir haben die erste Lesung dann in einem Gasthaus gemacht, mit 100 Sitzen, als das Buch erschienen ist, ganz am Anfang. Da habe ich im Grunde alles mit dem Verleger organisiert, von der Location bis zur Leselampe.“
Klar, dass es für Adrenalin sorgte, als der Abend dann bevorstand: „Beim ersten Mal war ich zu 100 % aufgeregt. Man weiß ja nicht, ob Leute kommen, wie viele Leute kommen, wie das Ganze wird. Aber es kamen echt viele. Bei der zweiten Lesung sind sogar Leute aus dem Westerwald gekommen, das sind knapp 1.000 Kilometer. Und ich habe oft Leute dabei, die sind 200, 300 Kilometer dafür angereist.“
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Was Helga berichtet, überlegt die Truckerin sich genau: „Ich plane komplett selbst, was ich vorlese. Im Prinzip habe ich das von der ersten Lesung weg immer weiter verbessert. Dann zeige ich die passenden Bilder dazu auf einer Leinwand, und dann ist die Hälfte Lesen, und die Hälfte erzählen.“
Insgesamt dauert eine Lesung in etwa eine gute Stunde, sagt Helga, danach ist der Raum offen für Fragen. Helgas Lieblingsthema: „Besonders gerne erzähle ich aus den Anfangstagen, damit auch für alle verständlich ist, wie ich in diesen Beruf gekommen bin“, sagt Helga: „Damals haben wir kein Geld gehabt, aber ich wollte mir so gerne die Welt anschauen. Für mich war der Lkw die Gelegenheit dazu.“
Allerdings hatte der Beruf damals schon so seine Hürden: „Erstens gab es damals genug Fahrer, da hattest du an jedem Finger zehn. Und Frauen waren damals auch nicht sehr hinterm Steuer gefragt“, erinnert sich die Fahrerin.
Davon ließ sich Helga aber nicht abhalten: „Ich wollte das unbedingt, für mich gab es keine Alternative. Also habe ich eine Möglichkeit gefunden und bin losgefahren – auch, wenn ich null Ahnung von nichts gehabt habe.“
Das sollte sich über die kommenden Tage, Wochen, Monate und Jahre aber ändern. Heute hat Helga wohl so ziemlich alles miterlebt, was es im Lkw zu erleben gibt. Und das sorgt für Interesse bei ihren Lesungen.
„Es gibt immer viele Fragen, die ich beantworten kann“, so Helga. Dazu gehören auch Fragen nach der heutigen Lkw-Realität: „Heute ist es leider alles nicht mehr so einfach.“ Dennoch ist es Helga wichtig, darüber zu sprechen: „Es ist einfach schön, zu erzählen und vorzulesen, auch wenn ich das Vortragen eigentlich nie gelernt habe. Ich finde es toll, dass sich die Leute so dafür interessieren.“
Insofern steht weiteren Lesungen auch nichts im Wege – außer vielleicht der Terminlage: „Ich kann immer nur samstags Lesen. Unter der Woche wird ja gefahren!“
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