Mit Hund im Lkw? „Julie hat mit mir alle Phasen durchlaufen“

Jessy Koch erzählt uns, wie sie Haustier und Beruf unter einen Hut bringt

dog truck © Jessy Koch

Lkw-Fahrerin Jessy Koch ist täglich hunderte Kilometer unterwegs – und dabei selten allein. Ihre Hündin Julie begleitet sie seit einigen Jahren im Truck. Wie funktioniert das? Wir haben nachgefragt!

Für die meisten Hundebesitzer ist ein Leben ohne ihren vierbeinigen Freund kaum noch zu denken. Doch viele Jobs lassen eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung gar nicht zu. Als Lkw-Fahrerin war und ist Jessy Koch schon immer eingespannt gewesen. Anfangs ist sie Nahverkehr gefahren, inzwischen ist sie in den Fernverkehr gewechselt. Da sie aber auch im Nahverkehr schon neun bis zehn Stunden auf der Arbeit war, musste eine Lösung her. „Denn so lange möchte ich meinen Hund nicht allein zu Hause lassen“, sagt Jessy.

Aber wie kommt so ein großer Hund überhaupt in den Lkw?

Natürlich ist nicht jeder Hund Lkw-tauglich, aber Julie liebt das Fahren. Die größte Frage für Jessy war am Anfang eher: „Wie kriege ich denn jetzt den Hund da rein?“ Sie fährt einen Actros, der eine Stufe mehr hat als viele andere Lkw - und bei ihrem Hund Julie handelt es sich um eine sieben Jahre alte Rottweiler-Dame, die inzwischen um die 45 kg auf die Waage bringt. 

Die anfängliche Lösung: Jessy trainierte Julie an, sie auf Kommando anzuspringen. Dann konnte sie die Hündin in den LKW heben. Das ist seit einem Fahrradunfall so nicht mehr möglich. „Außerdem war sie damals auch noch ein bisschen jünger und leichter“, schmunzelt Jessy. „Da habe ich mir dann gedacht, wenn sie weiter mitfahren soll, brauchen wir eine andere Lösung.“ Also hat Jessy eine Rampe angeschafft, die sie an den LKW anlegen kann. „Julie springt dann wirklich mit Anlauf auf die Rampe und hüpft voller Freude in den LKW. So nach dem Motto: „Jo, es geht los, ich bin ready!“, erzählt sie uns.

dog truck © Jessy Koch

Wie ist das mit der Sicherheit beim Fahren?

Da die Truckerin hauptsächlich nachts unterwegs ist, verbringt Julie die meiste Zeit in der Fahrerkabine mit Schlafen. „Julie ist es einfach gewohnt, immer bei mir zu sein. Und genauso ist es mit dem Lkw-Fahren. Ich habe das irgendwann mal angefangen und seitdem will sie gar nicht mehr zu Hause bleiben“, erzählt Jessy. Inzwischen lässt sich die Hündin auch mal darauf ein, mit Jessys Freund zu Hause zu bleiben. Am liebsten ist sie jedoch mit auf Tour. 

Um ihre Sicherheit zu gewährleisten, trägt Julie während der Fahrt eine Sicherung, die am Beifahrersitz ins Gurtschloss eingesteckt ist. Für den Lkw hat Jessy eine längere Variante gewählt, damit Julie mehr Bewegungsfreiraum hat. Während der Fahrt liegt sie aber sowieso die meiste Zeit bei Jessy in der Mitte - zwischen Fahrer- und Beifahrersitz in einem Hundebett.

Die Sicherheit aller Beifahrer – also auch eines Hundes – zu gewährleisten ist nicht nur wichtig, um bei einer Polizeikontrolle zu glänzen: Die Sicherheitsvorkehrungen sollen auch verhindern, dass Julie bei einer starken Bremsung durch den Lkw oder im schlimmsten Fall durch die Scheibe fliegt. 

Doch auch für Jessys Sicherheit ist die Anwesenheit ihrer Rottweiler Hündin gut. „Ich muss meinen Lkw nicht abschließen. Da kommt keiner rein. Julie regelt das“, erklärt die Truckerin lachend. Dabei ist Julie eigentlich völlig tiefenentspannt und hat noch nie jemandem etwas getan. Auf Veranstaltungen und auch bei Jessys Fahrerkollegen erfreut sich die Hündin größter Beliebtheit. „Aber sie ist immer noch ein Rottweiler und davor haben viele Leute Respekt“.

Ein Hund im LKW bedeutet Absprachen

Tiere machen Dreck und das Führerhaus eines Lkw ist für viele Fahrerinnen und Fahrer quasi ein zweites zu Hause. Da müssen im Vorhinein Absprachen erfolgen und regelmäßig geputzt werden, um den Lkw sauber zu halten. 

Im Nahverkehr hat Jessy sich den Truck mit einem Kollegen abwechselnd in der Tag- und Nachtschicht geteilt. „Wenn ich Julie mitgenommen habe, musste ich das natürlich vorher mit meinem Kollegen absprechen“, berichtet sie. „Das ist halt immer so eine Sache. Der eine hat eine Tierhaarallergie, der andere hat Angst vor Hunden oder was auch immer.“ Aber für Jessys Kollegen war das gar kein Problem. Er und Hündin Julie waren ein Herz und eine Seele und spielten bei jedem Schichtwechsel miteinander. 

dog truck © Jessy Koch

Die Hündin zu Hause zu lassen kommt für Jessy inzwischen nicht mehr in Frage. Hätte ein Kollege ein Problem mit Hunden, müsste sie das natürlich respektieren. „Ich kann die Kollegen schon verstehen. Ich denke, man sieht das immer eine bisschen anders, wenn man selber ein Haustier hat.“, gibt Jessy zu. Dennoch würde sie sich in einer solchen Situation lieber einen anderen Kollegen oder ein anderes Fahrzeug zuteilen lassen, als den Hund allein zu lassen.

Jetzt im Fernverkehr spielt das Thema keine große Rolle mehr, da hat Jessy den LKW für sich allein. Allerdings muss auch die Spedition mitspielen. „Ich habe da wirklich Glück. Bei uns ist das alles ganz unkompliziert.“, erzählt sie uns. Die einzige Bedingung war, dass das Fahrzeug, wenn sie es später wieder abgibt, nicht nach Hund riecht und keine Hundehaare mehr zu finden sind. Da Jessy aber auch selbst Wert auf eine saubere Wohnumgebung legt, ist ihr LKW immer pieksauber.

Hat Julies Anwesenheit im Lkw Einfluss auf die Parkplatzwahl?

Früher hat Jessy mit ihrer Hündin auch auf normalen Parkplätzen oder an Raststätten gehalten. Inzwischen sucht sie sich lieber einen Parkplatz in einem Industriegebiet oder direkt an der Abladestelle mit ein bisschen Wiese in der Nähe. Dafür fährt sie gerne auch mal von der Autobahn ab.

„Ich habe da einfach schon zu viel erlebt“, berichtet die Truckerin. „Die Leute schmeißen alles Mögliche aus ihren Autos. Müll, Glas, Bierflaschen und was weiß ich noch alles. Gerade wenn man nachts unterwegs ist, muss man aufpassen, dass der Hund nicht irgendwo reintritt oder irgendetwas frisst. Das ist mir einfach zu gefährlich. Deswegen mache ich das mit dem Hund nicht mehr.“ 

Und auch einige LKW-Fahrer sind ihren Beobachtungen zufolge nicht immer die saubersten. „Deswegen habe ich mich dafür entschieden, mit Julie lieber abseits der Rastplätze zu stehen.“

Dann sind nämlich auch Spaziergänge nach der Fahrt möglich – und die genießen Julie und Jessy alle beide.

Das Neueste vom Blog