Von der Pferdepension in den Fernverkehr - Jessy Kochs ungewöhnlicher Weg zum Lkw
Die Lkw-Fahrerin im Interview
© Jessy Koch
Truckerin Jessy Koch fährt heute tagtäglich hunderte Kilometer Lkw. Doch der Weg dahin war alles andere als gewöhnlich.
Kürzlich haben wir uns mit Truckerin Jessy Koch über ihre Hündin Julie unterhalten. Die große Rottweiler-Dame ist Jessys ständige Begleiterin auf ihren Lkw-Touren, und das schon seit einigen Jahren.
Die Tiere haben Jessy schon vorher begleitet: Die heutige Lkw-Fahrerin betrieb einige Jahre lang eine Pferdepension, stieg dann aber auf den Lkw im Nahverkehr um – um mehr Zeit zu haben.
Doch so ungewöhnlich der Grund für ihren Einstieg in die Lkw-Welt auch war, warum sie sich später auch noch für den Fernverkehr entschied, überrascht noch mehr: nämlich aus Beziehungsgründen. Dabei gilt der Fernverkehr normalerweise eher als Gegenargument für Beziehungen.
Wie kam das alles zustande, und was gefällt Jessy so am Lkw-Fahren? Hier ist das Interview für euch!
© Jessy Koch
Jessy Koch im Interview: „Ich konnte meiner Fernbeziehung Adieu sagen“
Jessy, wie war das damals genau mit der Pferdepension?
Genau, ich hatte früher mal eine Pferdepension. Mein Ex-Lebenspartner und ich hatten damals einen Pferde-LKW, mit dem sind wir immer auf Turniere und zu Trainings gefahren. Den konnte ich aber erst nicht selbst fahren.
Mein Ex-Partner hatte aber auch nicht immer Zeit, und dann stand ich natürlich da und kam weder aufs Turnier noch zum Training. Deswegen habe ich damals gesagt: Jetzt ist Schluss, jetzt mache ich selbst den LKW-Führerschein, damit ich unabhängig bin.
Dann kam eins zum anderen: Der Führerschein war da, und ich bin mit dem LKW draußen herumgefahren. Irgendwann kamen dann die ersten Anfragen aus der Landwirtschaft. So kam eins zum anderen.
Dann bin ich noch ein bisschen zweigleisig gefahren. Ich arbeitete hauptberuflich als LKW-Fahrerin und habe nebenbei die Pferdepension mit 25 Pferden betrieben. Deswegen waren es damals auch lange Tage, und ich musste mich irgendwann entscheiden, weil ich das alles nicht mehr unter einen Hut bekommen habe. Irgendwann hatte ich regelmäßig 17- bis 18-Stunden-Tage.
Das Ganze habe ich fünf Jahre lang durchgezogen, aber irgendwann musste ich mich entscheiden. Und ja, ich habe mich dann fürs LKW-Fahren entschieden.
© Jessy Koch
Warum hast du dich für das Lkw-Fahren entschieden?
Das Ding ist, mit der Pferdepension, das war alles gut und es hat mir auch wahnsinnig viel Spaß gemacht. Ich habe da irgendwo so ein bisschen meinen Kindheitstraum gelebt, aber es blieb halt alles auf der Strecke. Mein Privatleben, die eigenen Hobbys. Ich habe die Pferdepension zwar geführt, aber ich selber kam nicht mehr zum Reiten oder zu Turnieren. Ich kam nicht mehr dazu, was zu unternehmen, mit meinen Pferden zu reiten, meine eigenen Pferde standen am Ende nur noch rum. Und das war dann der Punkt, wo ich sagte: Nee, du willst jetzt hier nicht jeden Tag 12, 13 Stunden arbeiten und hast am Ende gar nichts davon.
Deswegen habe ich mich damals für das Lkw-Fahren entschieden. Das hat mir von Anfang an Spaß gemacht. Ich habe in der Landwirtschaft angefangen, bin so ein bisschen die Feldwege entlanggeduselt und dann habe ich mir gedacht: Nee, ich will nicht nur Feldwege fahren. Ich will halt auch mal richtige Touren fahren, mit einem Kühler oder irgendwas anderem Größerem.
Was gefällt dir am Lkw-Fahren?
Am Lkw-Fahren gefällt mir am meisten, dass du, ich will jetzt nicht sagen, dein eigener Chef bist, aber du kannst dir schon alles so ein bisschen so legen, dass es passt.
Ich meine, klar, man hat jeden Tag seine geplanten Touren. Aber am Ende bist du selber dafür verantwortlich. Wie lange machst du Pause? Wie richtest du es ein, dass du pünktlich beim Kunden bist?
Und ich genieße auch die Zeit in meiner „Einraumwohnung“, wie ich immer sage. Wenn du wirklich mal Zeit für dich hast und einfach nur fährst und fährst und fährst … das macht einfach Spaß.
© Jessy Koch
Was für Touren fährst du?
Ich war viele Jahre im Nahverkehr unterwegs. Da bin ich Lieferverkehr gefahren und habe zum Beispiel Lebensmittelwerke beliefert.
Seit einiger Zeit, mittlerweile knapp einem halben bis dreiviertel Jahr, bin ich jetzt im Fernverkehr.
Die größte Umstellung war für mich, dass ich nicht mehr jeden Tag zu Hause bin und nicht mehr jeden Tag meinen Hobbys nachgehen kann. Natürlich bist du in deiner Freizeit ein bisschen eingeschränkt, wenn du im Fernverkehr bist, weil du die ganze Woche unterwegs bist.
Aber der eigentliche Anstoß, in den Fernverkehr zu gehen, war mein Freund. Mein Freund kommt aus dem Süden Deutschlands, und die Spedition, für die ich fahre, hat eine Tour dort hin. Da haben sie gesagt: „Mensch, komm, dann geh doch in den Fernverkehr. Wir geben dir die Tour fest.“ Und somit konnte ich meiner Fernbeziehung Adieu sagen. Das war für mich der Anreiz, in den Fernverkehr zu gehen.
© Jessy Koch
Ich muss aber sagen, im Nahverkehr hatte ich wirklich mehr Zeit für mich. Da war ich öfter zu Hause und habe auch meine Freunde häufiger gesehen. Allerdings hatte ich da meinen Lebenspartner noch nicht. Den habe ich erst später kennengelernt und dadurch haben sich die Umstände noch mal geändert.
Aber ich kann wirklich nicht klagen. Klar, wir haben als Lkw-Fahrer viele Stunden zu schrubben. Aber wir wollen uns nicht beschweren. Ich meine, wir haben uns das selber ausgesucht.
Uns trennen ungefähr 500 Kilometer, wir haben ein Jahr lang eine Wochenendbeziehung geführt, wenn überhaupt. Manchmal haben wir uns auch nur alle 14 Tage gesehen, weil es ja doch eine ganz schöne Strecke ist. Das ist natürlich mit Kosten und auch mit viel Zeit verbunden.
Und damals habe ich gesagt: „Pass auf, wir haben jetzt die Möglichkeit. Ich kann das machen und somit sehen wir uns jetzt jeden Tag.“
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